Politik
17.08.2012

Heimmädchen wuschen für das Heer

Auch fürs Bundesheer mussten Mädchen in St. Martin hart arbeiten. Das Militärkommando hat den Lohn ans Heim überwiesen.

Die im Heim untergebrachten Jugendlichen wurden in der heimeigenen Wäscherei, Näherei, Landwirtschaft, in der Küche sowie im Hausdienst eingesetzt", heißt es in der im Juli veröffentlichten Vorstudie von Uni-Professorin Michaela Ralser über das Erziehungsheim St. Martin in Schwaz in Tirol.

Über Arbeiten von Heimmädchen für Unternehmen wie Swarovski, Darbo und EGLO-Leuchten war den Wissenschaftlern bis zur Veröffentlichung der KURIER-Berichte der letzten Tage offenbar nichts bekannt. Wie berichtet, wollen alle drei Firmen die Vorkommnisse in den 1960er- und ’70er-Jahre aufklären. Das Land Tirol hat eine eigene Kommission dazu einberufen. Es gibt Vorwürfe, dass die jungen Arbeiterinnen aus dem Heim kein oder kaum Geld für die Tätigkeiten gesehen hätten. Möglicherweise wurde der Lohn vom Heim einbehalten.

"3 Schilling"

Dass man in St. Martin auch für das Bundesheer im Akkord gearbeitet hat, müsste aber bereits seit 1980 bekannt sein. Damals berichtete der Journalist Kurt Langbein in der ORF-Sendung Teleobjektiv, dass die Mädchen die Heeres­wäsche waschen und bügeln mussten. Damals gab es offenbar etwas Geld für die Arbeit: "3 Schilling pro Stunde für die Wäscherei, je nach Wohlverhalten", heißt es in dem 32 Jahre alten Bericht. Die Tätigkeit sei von der Heimleitung als "Arbeitstherapie, nicht als Arbeitsverhältnis" angesehen worden.

"Die Nachprüfungen gestalten sich leider schwierig, da die Akten im Bundesheer nur sieben Jahre im Bestand bleiben", erklärt der Tiroler Militärkommandant Herbert Bauer. "Im Rahmen einer ersten Überprüfung wurden Ex-Mitarbeiter, die sich bereits im Ruhestand befinden, befragt: Diese haben bestätigt, dass es reguläre Auftragsvergaben an das Heim gegeben hat." Auch das Bundesheer habe die Dienste bezahlt – nicht an die Arbeiterinnen, sondern, wie auch die Unternehmen, ans Heim.

In der Vorstudie von Ralser heißt es weiter: "Belege dafür, dass die Absolvierung einer Lehre vonseiten des Heimes angestrebt würde, gibt es nicht." Eine für ihr "zukünftiges Fortkommen dienliche Berufsausbildung" sei den Mädchen "so gut wie nie ermöglicht" worden. Nahezu unbezahlte Hilfsarbeiten statt Ausbildung – auch das ist in österreichischen Heimen bis in die 1980er-Jahre möglich gewesen.

Taschengeld

Auch in Oberösterreich ließen Firmen Heimkinder für sich arbeiten. Die Aufarbeitung steckt aber noch in den Kinderschuhen. "Das war bisher kein Hauptthema von uns", sagt Antonia Licka, Vorsitzende der Opferschutzkommission des Landes. Die Jugendlichen hätten zumindest ein Taschengeld erhalten. Dem KURIER liegen aber Namen von Betroffenen vor, die kein Geld gesehen haben sollen.

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