Politik
08.02.2012

Heimkind Ingrid E.: "Nach der Behandlung war ich stundenlang blind"

Wilhelminenberg: Kein Tag ohne neue Schreckensmeldungen aus den Wiener Kinderheimen.

Neben den am Montag bekannt gewordenen Vorwürfen von Malaria-Therapie, die von weiteren Personen bestätigt werden, gibt es auch Neues aus dem ehemaligen Kinderheim der Stadt Wien im Schloss Wilhelminenberg.

Frau Ingrid E., heute 57, war in den Jahren 1969/’70 im Heim auf dem Wilhelminenberg untergebracht. Sie erinnert sich, dass sie von den rund zwölf Monaten, die sie im Heim verbrachte, „gut ein halbes Jahr auf der Krankenstation“ war. „Gitsch“ wurde die etwas abseits des Schlosses gelegene medizinische Abteilung im Heim-Jargon genannt.

Frau E. berichtet Schauriges: „Spritzen, Infusionen, Tabletten, alles habe ich bekommen.“ Dabei sei sie immer ein gesundes Kind gewesen. In einem Fall sei sie drei Wochen durchgehend auf der Gitsch gelegen. „Dann hat es geheißen, dass ich Scharlach gehabt hätte.“ Die Kinderkrankheit habe sie aber schon Jahre zuvor gehabt. „Das war nicht Scharlach.“ Wogegen sie behandelt wurde, weiß E. jedoch nicht.

Nasse Tücher

„Einmal wurde ich in so komische nasse Tücher eingewickelt. Und mit Bändern ans Bett gefesselt.“ Einen Tag lang hätte sie sich nicht bewegen dürfen. Sogar der Gang auf die Toilette sei ihr verwehrt worden.

Ärzte und Schwestern seien in der Krankenstation dabei gewesen, als sie ihr „schlimmstes Erlebnis“ durchmachte. „Ich habe Injektionen oder Tabletten bekommen oder beides.“ Kurz darauf habe „die Haut am ganzen Körper zu brennen begonnen. Es waren aber nicht einmal rote Flecken zu sehen.“

Nach einer anderen Behandlung durch das medizinische Personal sei sie kurzfristig sogar erblindet. „Ich bin aufgewacht und habe nichts mehr gesehen.“ Sie glaubte, es sei Nacht. Andere Kinder hätten sie darauf aufmerksam gemacht, dass helllichter Tag sei. „Ich war total schockiert. I ch habe geglaubt, nie wieder sehen zu können.“

Frau E. ist nicht die Einzige, die sich an eigenartige Therapien in der Krankenstation im Heim auf dem Wilhelminenberg erinnert. Frau K. etwa beschreibt, mehrmals nach medizinischer Behandlung mit „einer Art Lauge, die ich trinken musste, bewusstlos geworden“ zu sein. Aufgewacht sei sie stets mit „Schmerzen zwischen den Beinen“.

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