Happy (?) Birthday, Mr. President

„Ich bin im Job ein bisschen grauer geworden“, gibt US-Präsident Obama zu
Foto: APA/MICHAEL REYNOLDS

Der härteste Job der Welt fordert seinen Tribut: Geburtstagskind Barack Obama wirkt nach dem jüngsten Schuldenstreit angeschlagen.

Seine Frau Michelle habe ihm versichert, kokettierte Barack Obama jüngst augenzwinkernd, "dass sie mich immer noch süß findet. Und ich denke, das ist es doch, worauf es ankommt, oder?" Zwei Tage nach Ende des Streits um Amerikas Staatsschulden hat der US-Präsident seinen Humor wiedergefunden.

Doch die wochenlangen bitterbösen Wortgefechte mit seinen republikanischen Gegnern, stets die finanzielle Katastrophe eines Staatsbankrotts vor Augen, haben beim früheren Strahlemann Obama ihre Spuren hinterlassen. Heute, zu seinem 50. Geburtstag, wirkt der "Yes-we-can"-Präsident müde und ausgezehrt. Tiefe Falten haben sich in seine Mundwinkel gegraben, von Obamas jugendlichem Charme ist kaum noch etwas zu spüren.

Der Schuldendeal ist geschafft, doch die Amerikaner danken dies ihrem Präsidenten wenig. Auf nie dagewesene, kümmerliche 40 Prozent sackten die Popularitätswerte des demokratischen Staatschefs zusammen - und angesichts der nicht und nicht sinkenden Arbeitslosenrate (9 Prozent) dürften die Werte Obamas in nächster Zeit auch kaum wieder nach oben zeigen.

"Seit ich diesen Job angetreten habe, bin ich ein bisschen grauer geworden", witzelt Obama, "aber ich fühle mich angesichts meiner 50 ziemlich gut!" Zweieinhalb Jahre im schwierigsten Amt der Welt haben Barack Obama durch ein Stahlbad der Politik geschleift. Als er, Hoffnungsträger von Millionen begeisterter Amerikaner, im Jänner 2009 sein Amt antrat, erbte er von seinem Vorgänger George Bush zwei Kriege, ein weltweit ramponiertes Amerika-Image und die größte Wirtschaftskrise seit den 1920er-Jahren.

Sturm der Entrüstung

Sein eigenes, wichtigstes Ziel für diese Präsidentschaft kam angesichts dieser Bremsfaktoren nur schleppend voran: Die Gesundheitsreform - eine Krankenversicherung für alle US-Bürger - hätte ein gewaltiger Wurf werden sollen. Doch der demokratische Präsident entfachte mit seinen Plänen für größere soziale Gerechtigkeit in der konservativen Hälfte Amerikas einen Orkan der Entrüstung, der bis heute nicht mehr verebbt ist. Für sein 700-Milliarden-Dollar-Konjunkturpaket, das die USA vor einem noch schlimmeren wirtschaftlichen Absturz bewahrte, wurde er von den Anhängern der Tea Party als hemmungsloser Verschwender und Schuldenmacher geziehen. Und gegen seine Pläne, eine größere Steuergerechtigkeit einzuführen und vor allem Amerikas Super-Reiche stärker zur Kasse zu bitten, laufen die Republikaner mit regelrechten medialen Hasskampagnen Sturm.

Beleidigungen gegen ihn persönlich lächelt Obama dennoch locker weg. Als kürzlich wieder die Diskussion hochkam, ob Obama überhaupt ein echter Amerikaner sei, zeigte er Journalisten Videoausschnitte seiner vermeintlichen Geburt - eine Sequenz aus Disneys Zeichentrickfilm "König der Löwen".

Fit

Allen Angriffen gegen ihn und allen politischen Schwierigkeiten zum Trotz will er, so viel machte er schon vor Monaten klar, nächstes Jahr erneut zum Präsidenten gewählt werden. Die körperliche Fitness für die Tortur eines Präsidentschaftswahlkampfes hat der frischgebackene 50-Jährige allemal: Jeden Tag geht Obama laufen, vollzieht sein strenges Hanteltraining und spielt mindestens zwei Mal pro Woche Basketball. "Keinen Dekagramm hat der Präsident in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit zugenommen", will eine US-Zeitung beobachtet haben - und das in Zeiten höchster Anspannung, "in denen Durchschnittsmenschen nachts auf dem Weg zum Kühlschrank sind, um Essbares zum Trost zu finden."

Erste Glückwünsche

Erster Gratulant war übrigens der russische Präsident Dmitri Medwedew: Er wünschte dem Jubilar schon am Mittwoch per Telefon "Happy Birthday" - einen Tag, bevor Obama ein halbes Jahrhundert alt wird. Natürlich plauderten die beiden mächtigen Männer nicht nur über das Älterwerden. Die Präsidenten sollen sich laut einem Sprecher Obamas auch über die Verhandlungen über den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) unterhalten haben.

(KURIER, apa) Erstellt am
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