Hacker aus Anonymous-Umfeld festgenommen

REUTERSA protester wearing a Guy Fawkes mask, symbolic of the hacktivist group "Anonymous", takes part in a protest in central Brussels January 28, 2012. Online activist group Anonymous protested against the Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA), whi
Foto: REUTERS Die Guy-Fawkes-Maske, mittlerweile weltweit bekanntes Emblem der Internet-Protestbewegung

Führende Köpfe der Bewegungen Anonymous und LulzSec werden in den USA angeklagt - sie wurden an die Behörden verraten.

Den Behörden in den USA ist offenbar ein Schlag gegen die Internet-Hackergruppen Anonymous, LulzSec (Lulz Security) und AntiSec gelungen: Die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan erhob am Dienstag Anklage gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der Gruppierungen. Darunter seien führende Köpfe der Hackerbewegung, erklärten die Ermittler. Ein sechster Mann habe sich bereits im vergangenen Sommer schuldig bekannt.

Die Angeklagten, die teils schon festgenommen seien, teils noch gesucht würden, stammen aus den USA, Großbritannien und Irland. Die Polizei in Irland bestätige, dass ein junger Mann in Dublin festgenommen worden sei. Er stehe im Verdacht, Verbindungen zu einer internationalen Computer-Hacker-Gruppe zu haben.

Interner Hinweis

dapdFILE - In this Monday, May 31, 2011 file frame grab of the PBS website, as PBS officials confirmed its official Twitter account that the website had been hacked. Scotland Yards cybercrime unit on Wednesday July 27, 2011 arrested a teenager it accuses Foto: dapd Die Nyan Cat, Symbol des LulzSec-Kollektivs

Die Protestbewegung Anonymous und diverse Splittergruppen hatten im vergangenen Jahr für Aufregung gesorgt. Als eine Art digitale Spaß-Guerilla hatten sie Computersysteme von Unternehmen und Behörden angegriffen. Einige Mitglieder verfolgten jedoch auch explizit politische Ziele - etwa mit der Unterstützung der Enthüllungsplattform Wikileaks.

Nach Angaben des US-Fernsehsenders Fox News kamen die entscheidenden Hinweise von einem 28-jährigen New Yorker namens Hector Xavier M. Der Mann mit dem Hackernamen "Sabu" war laut Gerichtsdokumenten bereits im Juni vergangenen Jahres festgenommen worden. Die Unterlagen blieb jedoch über Monate unter Verschluss und wurden erst jetzt veröffentlicht. In Anonymous-Kreisen war "Sabu" schon länger als Verräter bezeichnet worden.

"Kopf abgeschlagen"

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sich "Sabu" im August schuldig bekannt. Er habe der US-Bundespolizei FBI beim Sammeln von Beweisen geholfen, über den Kurznachrichtendienst Twitter falsche Fährten gelegt und sogar den Geheimdienst CIA und andere US-Behörden sowie Finanzinstitutionen vor Cyberattacken geschützt. Aus den Unterlagen ging hervor, dass M. ein "einflussreiches Mitglied dreier Hacker-Organisationen - Anonymous, Internet Feds und Lulz Security" gewesen sei. Der Beschuldigte soll unter anderem als Anonymous-Mitglied an Angriffen auf Visa, MasterCard und PayPal beteiligt gewesen sein, aber auch Regierungscomputer in Tunesien, Algerien, Jemen und Simbabwe angegriffen haben.

"Das ist verheerend für die Organisation", zitierte Fox einen an den Ermittlungen beteiligten FBI-Beamten. "Wir haben den Kopf von LulzSec abgeschlagen." Es sei jedoch nicht einfach gewesen, "Sabu" zur Mithilfe zu bewegen. "Es war wegen seiner Kinder. Er wollte nicht ins Gefängnis wandern und sie zurücklassen. So haben wir ihn gekriegt", sagte ein Beamter.

CIA gehackt

LulzSec hatte sich scheinbar mühelos Zugang zu zahlreichen Web-Servern verschafft. Die Spanne reichte von Unterhaltungsfirmen bis hin zum US-Senat und selbst dem US-Geheimdienst CIA. Ende Juni erklärte die vermutlich von Anonymous abgespaltene Gruppe abrupt ihre Auflösung.

Die Angriffe anderer Gruppen gingen jedoch weiter. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde nun auch ein 27-Jähriger aus Chicago festgenommen und angeklagt, der im Dezember dabei mitgemacht haben soll, in die Computersysteme des US-Militärberatungsunternehmens Stratfor einzudringen. Laut der Anklageschrift haben der 27-Jährige und seine Mittäter unter anderem 60.000 Kreditkartendaten gestohlen und damit mehr als 700.000 Dollar ergaunert (534.000 Euro). Erst in der vergangenen Woche hatte Wikileaks tausende E-Mails von Stratfor veröffentlicht und damit die im Geheimen agierende Branche der Militärberater ins Rampenlicht gezerrt.

(apa / ep) Erstellt am
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