Politik
26.05.2012

Grass: "Israel gefährdet Weltfrieden"

Empörung in Deutschland und Israel hat ein politisches Gedicht des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass ausgelöst.

Der Altmeister hat wieder tief in die Tasten gegriffen – und in Deutschland und Israel einen Sturm der Empörung ausgelöst. Der 84-jährige L­iteraturnobelpreisträger Günter Grass veröffentlichte am Mittwoch in mehreren deutschen Zeitungen ein politisches Gedicht, in dem er mit Israel abrechnet: "Warum schreibe ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muss, was schon morgen zu spät sein könnte."

Grass verurteilt das "behauptete Recht auf den Erstschlag" und die "Planspiele" – und meint damit Israels Drohungen mit einem Angriff auf Irans Atomanlagen. Das Verschweigen des nuklearen Potentials Israels empfinde er als "belastende Lüge und Zwang". Dem Westen wirft der Schriftsteller "Heuchelei" vor. Und er fordert eine "ungehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz".

Auslöser für sein alles andere als lyrisches Gedicht ist die geplante Lieferung eines weiteren deutschen Atom-U-Boots an Israel. Deutschland könnte damit, so Grass, "Zulieferer eines Verbrechens werden, das voraussehbar ist". Und der Autor, der erst 2006 zugegeben hatte, kurz vor Kriegsende in der Waffen-SS gedient zu haben, nimmt auch die Kritik an ihm vorweg: "Das Verdikt ’Antisemitismus’ ist geläufig."

"Geschmacklos"

Tatsächlich sind die Reaktionen auf den Grass-Text heftig: Als "Anschlag auf die Existenz Israels", wertete ihn der 89-jährige, deutsch-jüdische Publizist Ralph Giordano: "Diese Umkehrung der Tatsachen, wer hier wen bedroht, trifft mich persönlich besonders tief, weil sie aus dem Munde von Günter Grass kommt."

"Das Gedicht ist geschmacklos, unhistorisch und zeugt von Unkenntnis der Situation im Nahen Osten", wetterte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Philipp Missfelder. Als "irritierend und unangemessen", bezeichnete es SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. "Günter Grass ist ein großer Schriftsteller. Aber immer wenn er sich zur Politik äußert, hat er Schwierigkeiten und liegt meist daneben. Diesmal liegt er gründlich daneben", meinte auch Ruprecht Polenz (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages.

Die härteste Kritik an Grass kam aber vom israelischen Gesandten in Berlin: "Was gesagt werden muss ist, dass es zur europäischen Tradition gehört, die Juden vor dem Pessach-Fest des Ritualmords anzuklagen."

(Wir bedanken uns für die Wortmeldungen - das Forum wurde geschlossen. - die Red.)

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