Politik 05.12.2011

Graf hat Verständnis für Königshofer

© Bild: graf-000/APA/ROLAND SCHLAGER

Für den Dritten Nationalratspräsidenten ist die Causa Königshofer noch nicht abgeschlossen. Die Parteispitze pfeift ihn sogleich zurück.

Für den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf ist das letzte Wort in der Causa Königshofer noch nicht gesprochen. "Die Entscheidung ist zu respektieren und auf der anderen Seite in weiterer Folge zu diskutieren". Abgeschlossen sein dürfte das Prozedere laut Graf im September sein. Für die Aussagen des vorerst aus der FPÖ ausgeschlossenen Abgeordneten Werner Königshofer zeigt Graf gewisses Verständnis: Aufgrund eines "Wahnsinns-Verbrechen" dürfe man nicht "andere Bedrohungsfelder" ausblenden.

"Ich bin jetzt schon so lange in der Partei und habe schon einige Ausschlüsse wegen Gefahr in Verzug erlebt, die zurückgenommen wurden", meint Graf in Bezug auf Königshofer, der mit Wortmeldungen zu den Attentaten von Oslo und Utöya für Aufregung gesorgt hatte.

Die genauen Inhalte der umstrittenen Aussagen Königshofers auf dessen Webauftritten kenne Graf zwar nicht, er könne die Aufregung aber trotzdem nicht ganz teilen. Zum einen genießt für den Dritten Nationalratspräsidenten jeder Fraktionskollege einen "Vertrauensvorschuss", zum anderen ist er sich sicher, dass sehr vieles aufgebauscht worden sei.

"Kein Thema mehr"

Die FPÖ-Spitze hat prompt reagiert: "Inhaltlich ist das für uns kein Thema mehr", so der stellvertretende Parteiobmann Norbert Hofer. Es seien im Vorfeld alle Präsidiumsmitglieder informiert worden, er rechne daher fix mit der Bestätigung des Parteiausschlusses durch den Vorstand, sagte Hofer. "Angesichts der Häufung von unzumutbaren Aussagen und Handlungen von Werner Königshofer" werde die Entscheidung im Vorstand "mit Sicherheit klar und im Sinne des bereits ausgesprochenen

Reaktionen

Die unterschiedlichen Meinungen zur Causa Königshofer veranlasst die SPÖ wiederum zur Annahme, es geben in der FPÖ "schwere interne Zerüttungen". Graf stelle sich auf die Seite von Königshofer und damit "unverblümt gegen FPÖ-Parteiobmann Strache, offenbar tobt bei den Freiheitlichen ein Machtkampf zwischen rechtsrechten Hardlinern und rechten Populisten", sagte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter.

Der Grüne Nationalratsabgeordnete Harald Walser forderte einmal mehr die Abwahl Grafs. Dieser sei als Repräsentant der Republik "untragbar". Walser forderte zudem FPÖ-Obmann Strache auf, aktiv zu werden: "Wenn Strache den 3. Nationalratspräsidenten nicht zur Ordnung ruft, bleibt er in der Geiselhaft von Graf und dessen Burschenschafter-Truppe, die offensichtlich das Sagen im FPÖ-Klub hat."

Auch das BZÖ attestierte Strache Führungsschwäche. "Die heutige Verteidigung Königshofers durch FPÖ-Graf lässt massive Zweifel daran aufkommen, dass FPÖ-Chef Strache in seiner Partei überhaupt das Sagen hat. Straches Wort ist in der FPÖ offenbar nichts wert", meinte BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner.

Erstellt am 05.12.2011