Politik 08.01.2012

Gewichtige Probleme

Tiercoach: Wer seinen Vierbeiner fett werden lässt, macht ihn krank. Gesunde Ernährung und Bewegung bedeuten längeres Leben.

Die Feiertage sind vorüber, die Verlockungen waren groß. Treuherzige Blicke haben selbst den vernünftigsten Heimtierhalter zum Ernährungssünder gemacht. Aber jetzt ist Schluss mit Leckerlis zu jeder Gelegenheit, mit herrlichen Tischresten und verbotenen Naschereien. Höchste Zeit, gute Vorsätze umzusetzen und die Fress-Gewohnheiten wieder in gesunde Bahnen zu lenken. Der Körper wird es danken.

"Übergewicht ist auch bei Hunden und Katzen kein reiner Schönheitsfehler", sagt Thomas Voracek aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Der Zoodoc aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn weiß, dass überschüssige Kilos massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Vierbeiner haben. "Wer zu viel isst, wer falsch isst, und wer sich zu wenig bewegt, wird dick. Das gilt für Menschen und für Tiere", bestätigt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Dabei ist es meist besser vorzubeugen, denn Diäten durchzuhalten, fällt schwer.

Wissen

"Das allgemeine Gesundheitsbewusstsein beeinflusst auch den Umgang mit Haustieren. Fettleibigkeit wird heute viel eher als Problem gesehen als vor zwanzig Jahren", sagt Voracek. Trotzdem sind bis zu 44 Prozent der Hunde, die in europäische Tierarztpraxen kommen, adipös. Vermutlich sind bei nur etwa fünf Prozent der Patienten Stoffwechselstörungen die Ursache dafür.

Das Problem ist hausgemacht: Das Haustier bettelt, der Besitzer reagiert mit Nahrung und signalisiert dem Liebling, dass er etwas richtig gemacht hat. Der Teufelskreis beginnt. Und endet in Übergewicht. "Bei Hunden führt die Adipositas häufig zu Erkrankungen des Bewegungsapparates", erklärt der Experte. Der träge Vierbeiner wird noch fauler, wodurch die Muskelmasse abnimmt, die den Rücken stützt. Die Folge sind tägliche Schmerzen. Der Abbau von Muskeln schädigt langfristig auch Gelenke und die Bandscheiben. Entzündungshemmer lindern das Leid, Operationen können helfen.

Spritze

"Außerdem gehen Diabetes und Fettleibigkeit bei Heimtieren sehr oft miteinander einher", sagt Voracek. Vierbeiner müssen dann auf Spezialdiät gesetzt werden, Futtermittelhersteller bieten Diabetiker-gerechte Fertigmischungen an. Manche Tiere benötigen Insulin. "Die Besitzer kriegen das Verabreichen des eigens für Tiere zugelassenen Medikaments mit Anleitung rasch in den Griff", sagt der Zoodoc.

Bei Katzen führt ein Überangebot an Nahrung immer wieder zu Durchfall. Sind gewisse Enzyme gesättigt und können nichts mehr aufnehmen, verursacht das Verdauungsschwierigkeiten. Speckschwarten wiederum verhindern, dass sich die Vierbeiner gründlich reinigen können, die Folge sind unangenehme Hautirritationen.

Lebenszeit

„Atemprobleme bei übergewichtigen Haustieren können mechanisch bedingt sein; wenn der dicke Bauch auf das Zwerchfell drückt“, sagt der Experte. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Leber-Komplikationen reduzieren ebenfalls die Lebenszeit des Lieblings. Auf seine Größe abgestimmte Futtermenge in der richtigen Mischung dagegen erhöht die Chance auf viele gesunde Jahre. „Auch wenn es manche glauben: Mit zu viel Futter tut man Tieren nichts Gutes“, appelliert Zoodoc Voracek an die Vernunft der Heimtierhalter. Nach dem Motto: In Maßen verwöhnen, statt zum Schlemmen verführen.

Der Tierarzt hilft beim Abnehmen

Mit dem Vorsatz zum A bspecken stößt man bei Vierbeinern auf Unverständnis. "Mit Links geht das nicht, aber der Tierarzt hilft", sagt Thomas Voracek aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Eine Mischung aus mehr Bewegung, weniger Kalorien, der nötigen Konsequenz und einem Ernährungstagebuch führen am ehesten zum Ziel: Der Tierhalter sorgt dafür, dass sich sein Liebling mehr bewegt. Entzündungshemmer lindern Bewegungs-Schmerzen, der Vierbeiner lässt sich wieder zu ausgedehnten Spaziergängen und sportlichem Spiel animieren. Die Ernährung wird in kleinen Schritten umgestellt. Mit fertiger Spezialkost wird der Brennwert gesenkt, der Eiweißgehalt bleibt hochwertig.

( Kurier ) Erstellt am 08.01.2012