Gefragt: "Das ist eine erbarmungslose Geschäftemache­rei"

Laut Katja Wolf, Sprecherin des österreichischen Kynologenverbandes (Vereinigung der Hundezüchter) ist das Geschäft mit illegalen Hundewelpen stark im Ansteigen.

Im KURIER-Interview gibt Katja Wolf einen Einblick hinter die Kulissen.

KURIER: Warum boomt das Geschäft mit illegalen Welpen?
Katja Wolf:
Ein solide durchgezüchteter Rassehund, etwa ein Golden Retriever, kostet in Österreich um die 2000 Euro. Einen Welpen aus der Slowakei bekommt man schon für 200 Euro.

In welchen europäischen Ländern liegen die Zentren der illegalen Hundezucht?
Vor allem in Slowenien, der Slowakei, in Ungarn, Polen und in der Ukraine. Dort existieren richtige Zuchtfabriken.

Woran kann der Kunde erkennen, dass das Tier wahrscheinlich unter Schmuggelware fällt?
Abseits des niedrigen Preises vor allem am Alter der Welpen. Illegale Jungtiere werden unter der Acht-Wochen-Grenze bereits zum Kauf angeboten. Das ist eine erbarmungslose Geschäftemacherei.

Was bedeutet die Acht-Wochen-Grenze?
Die ersten acht Wochen in einem Hundeleben sind die wichtigsten. Hier wird bereits Verhalten programmiert. Daher dürfen in Österreich Zuchttiere erst nach dieser Zeitspanne angeboten werden.

Mit welchen Verhaltensdefiziten muss bei den Ost-Hunden gerechnet werden?
Die Tiere stehen, wenn sie zu früh abgegeben werden, unter einem extremen Stress. Eine Traumatisierung ist
programmiert.

Stichwort Zuchtfabriken. Wie sehen dort die Bedingungen aus?
Die Welpen werden etwa in viel zu kleinen Boxen und auf engstem Raum gehalten. Auch aus feuchten, dunklen Kellern wurden Welpen schon befreit. Züchtet man unter solchen Bedingungen etwa Kampfhunderassen, werden die Tiere unweigerlich zu Zeitbomben.

Wie sieht es eigentlich mit den Begleitpapieren der Hunde aus?
Tatsächlich gab es Gesundheitszeugnisse mit offiziellen Stempeln von Veterinären, die schon vor zehn Jahren gestorben sind. Hier gibt es keinerlei Seriosität.

Und wie krank oder gesund sind die Tiere aus den illegalen Züchtungen?
Sie sind unterernährt, mangelhaft geimpft und wenig belastbar. Und sie leiden oft an ansteckenden Durchfallerkrankungen.

Tipps: Infos direkt beim Züchter holen

Experten raten, vor dem Welpenkauf zuerst einmal den Züchter zu besuchen. Denn nur in Gesprächen und auch durch die Erklärung der Lebensumstände kann die richtige Rasse gefunden werden.

"Ich kenne Züchter, die haben sogar sehr prominenten Interessenten kein Tier verkauft. Denn Hunde sollen kein Statussymbol sein", erzählt Katja Wolf.
Nachsatz: "Ein guter Züchter kann auch nicht auf Knopfdruck sofort ein Jungtier anbieten. Da muss oft auf den nächsten Wurf gewartet werden."
Kaufvertrag Folgende Punkte müssen bei einem Hundekauf erfüllt sein: Zwischen Züchter und Kunde muss ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Darin enthalten: Stammbaum und Herkunft der Elterntiere, Zuchtbuchnummer sowie Impfpass und Chipnummer.

Warum aber sind Zuchtwelpen in Österreich so teuer? Wolf erklärt: "Das Muttertier muss einer Wesensuntersuchung unterzogen werden. Medizinische Checks, etwa für Hüfte, Ellbogen, Schulter, Auge und vieles mehr, sind vorgeschrieben." Dazu kommen die Untersuchungen für den Deckrüden. Ultraschall-Tests sind zusätzlich Usus. Und die Jungtiere bleiben acht Wochen - bei idealen Bedingungen und bestem Futter - bei dem Züchter.
Für einen Welpen aus seriöser Zucht muss mit einem Preis ab 1300 Euro gerechnet werden. Nach oben hin gibt es kaum Grenzen. In Österreich bieten 2000 Züchter Hunde an.

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(kurier) Erstellt am
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