Politik 04.04.2012

Frau hungerte sich zu Tode

Der Stiefvater habe sie missbraucht, sagte Michelle. Er wurde verurteilt, doch sie widerrief und weigerte sich fortan zu essen.

Eine junge Steirerin hungerte sich aus Schuldgefühlen zu Tode: Michelle Moreno starb Mittwochfrüh an Herzversagen im LKH Graz-West. Die 25-Jährige wog keine 30 Kilogramm mehr.

Der KURIER berichtete über ihren tragischen Fall: Moreno behauptete, ihren Stiefvater durch falsche Beschuldigungen ins Gefängnis gebracht zu haben. Er habe sie als Kind missbraucht und auch vergewaltigt, sagte sie als 18-Jährige aus.

Hans, ihr Stiefvater, bestritt das vehement, doch Gutachter attestierten der jungen Frau, traumatisiert zu sein: Der vorbestrafte Mann wurde 2008 rechtskräftig zu acht Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Wiederaufnahme

Hans’ Anwältin Karin Prutsch kämpft nun seit Langem um die Wiederaufnahme und bekam Hilfe von unerwarteter Seite: Das vermeintliche Opfer Moreno, schwer gezeichnet von Magersucht, widerrief sämtliche Vorwürfe. Sie habe Hans bloß aus dem Leben ihrer Mutter bringen wollen, begründete sie ihre frühere Aussage. "Manchmal hat er randaliert, vor allem, wenn er getrunken hat."

Aber angegriffen habe er sie nie, gestand Moreno nun ein. Solche Geschichten habe sie im Kinderheim gehört, in dem sie zeitweise untergebracht war, schilderte sie ihre schwierigen sozialen Verhältnisse. Aus Schuldgefühlen verweigerte sie seither jede Nahrung.

Moreno pilgerte in den vergangenen Monaten von einem gerichtlichen Sachverständigen zum nächsten. Sie habe gelogen und wolle das wieder gutmachen. "Ich hab’ sein Leben auf dem Gewissen", sagte sie vor einigen Wochen im KURIER-Gespräch.

Herzstillstand

Erst Montag war sie zur Untersuchung bei einem neurologischen Experten, in der Woche zuvor bei einem Psychiater in Wien. Dienstag brach sie mit Herzstillstand zusammen, konnte aber wiederbelebt werden. Mittwochfrüh versagte ihr Herz endgültig.

Anwältin Prutsch hofft trotz Morenos Tod auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens für ihren Mandaten. "Wir haben die Beweissicherung gemacht, jetzt warten wir nur noch auf die beiden Gutachten über die junge Frau." Wegen des erschreckenden Gesundheitszustandes Morenos hatte Prutsch im Februar sogar deren eidesstattliche Erklärung auf Video aufgenommen.

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( Kurier ) Erstellt am 04.04.2012