Politik
11.12.2011

Frau darf falschen Pass haben

Eine Auslandsösterreicherin hat seit 2006 ganz offiziell einen Reisepass mit falschen Daten und einen mit richtigen.

Man kann sich nur wundern, dass so eine Wurschtelei möglich ist", meint Christine Grabnegger-Räsänen. Es ist kurios: Die Frau besitzt seit Jahren zwei Reisepässe auf ihren Namen – allerdings mit komplett verschiedenen Daten. So sind unterschiedliche Geburtsdaten vermerkt, ein anderer Geburtsort und so weiter. Interessanterweise sind beide Reisepässe dennoch voll gültig und legal, obwohl einer davon viele Fehler aufweist.

Und das kam so: Grabnegger-Räsänen ist Auslandsösterreicherin und beantragte bereits im Jahr 2006 in der Botschaft in Helsinki (Finnland) einen neuen Pass. Als sie diesen einige Wochen später abholte, wunderte sie sich über die vielen falschen Angaben in dem offiziellen Dokument. „Offenbar zieht da irgendwer irgendwelche Passdaten aus dem Hut“, wunderte sie sich schon damals. In der Botschaft wurde jedenfalls versprochen, dass sie bald ein neues Dokument mit den richtigen Angaben bekommt. Das geschah dann auch so.

Den alten, falschen Pass durfte sie jedoch auch behalten, seit Jahren liegt er in ihrer Wohnung in Finnland.

"Den wollte die Behörde niemals haben", berichtet Grabnegger-Räsänen dem KURIER. „Ich hätte ihn für Geld einfach weiterverkaufen können. Da Russland ja gleich in der Nachbarschaft ist, wäre das kein Problem gewesen. Da fragt man sich wirklich, wie sorglos Reisepässe in Österreich behandelt werden. Man kann doch nicht einen falschen Pass ausstellen, dann wieder einen und dann nicht nach dem falschen fragen.“

"Beide Pässe sind gültig", bestätigt auch Peter Launsky-Tieffenthal vom Außenministerium in Wien den kuriosen Fall. "Prinzipiell kann man sich auch sonst einen Zweitpass ausstellen lassen." Dass dies nicht optimal ist, sieht man jetzt auch im Außenamt. Die Botschaft in Helsinki wurde daraufhin beauftragt, den falschen Pass von der Auslandsösterreicherin doch noch zurückzuverlangen.

Kuriosität

Den will sie aber nicht mehr hergeben. "Den Pass werde ich auf jeden Fall behalten, als Kuriosität. Denn jetzt hat es ja keinen Sinn mehr, wenn sie ihn zurückverlangen", sagt sie.