Politik 05.12.2011

FPÖ-Homepage von Anonymous gehackt

© Bild: Screenshot

Frühaufsteher stießen Montagfrüh auf der Seite der FPÖ auf ein hellblaues Pony. Erst Anfang Juli wurde die SPÖ Opfer eines Hackerangriffs.

Nach der SPÖ hat es die FPÖ getroffen: Die Startseite der FPÖ ist von Hackern gekapert worden. Das teilte ein Anrufer, der sich selbst als "Anonymous" bezeichnete, der APA in der Nacht auf Montag mit. Auf der Startseite von www.fpoe.at war ein geflügeltes Pony mit Regenbogenmähne zu sehen, unter dem "Pwned" (Kurzform von "powned", zu Deutsch "erwischt") stand. Wie das Netzwerk Anonymous erklärte, erfolgte der Angriff auf die Partei-Website im Zuge der "Operation Anti-Security" (AntiSec) der Gruppe Lulz Security (LulzSec), mit der sich Anonymous kürzlich verbrüderte. Die Seite der FPÖ war kurz darauf bis ungefähr halb acht nicht abrufbar.

Man wolle auf diese Weise gegen "Regierungen, Banken und andere korrupte Institutionen" vorgehen, so Anonymous. Dass es diesmal die FPÖ "erwischte", ist offenbar reiner Zufall. Anonymous will auch die Webseiten anderer österreichischer Parteien hacken. Anfang Juli war bereits die Seite der SPÖ gekapert worden.

FPÖ spricht von "kriminellem Akt"

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sprach in Bezug auf den Hacker-Angriff von einem "kriminellen Akt". Die Hacker seien aber "nicht in sensible Daten eingedrungen", sie seien inhaltlich an der Oberfläche geblieben, sagte Kickl am Montag. Die FPÖ erstattete Anzeige beim Verfassungsschutz. Keinen Zusammenhang sieht der Generalsekretär hingegen mit der Veröffentlichung von Telefonnummern von FPÖ-Spitzenpolitikern im Internet am vergangenen Wochenende. Dies ist seiner Ansicht nach auf ein gestohlenes Mobiltelefon zurückzuführen.

Bezüglich des Hacker-Angriffs bestätigte das Innenministerium, dass Ermittlungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) in Abstimmung mit den regionalen Sicherheitsbehörden laufen.

Usernamen und Passwörter verschlüsselt sichtbar

Auf der gehackten Seite der FPÖ waren am Montagfrüh einige Usernamen und deren Passwörter - jedoch verschlüsselt - zu sehen, diese wolle man diesmal "nicht öffentlich zugänglich machen", wie " Anonymous" berichtete. Bei dem Hackerangriff auf die Website der SPÖ am 1. Juli waren die Passwörter unverschlüsselt zugänglich, das habe aber "zu viel Ärger" bereitet. Auch über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete die Gruppe die Nachricht, die FPÖ-Seite gehackt zu haben.

Ziele von Anonymous

Nach eigenen Angaben hat Anonymous vor allem die Wahrung der Meinungs- und Pressefreiheit sowie der Menschenrechte zum Ziel. Anschließen könne sich "jeder, der möchte". "Wir sind ein Kollektiv und demokratisch organisiert", so Anonymous.

Das Netzwerk Anonymous hat sich laut Medienberichten bereits mit zahlreichen Regierungen, Unternehmen und Institutionen angelegt. Neben der SPÖ zählten unter anderem die türkische Regierung, die ein Internetfiltersystem einführen will, oder die Herrscher in Ägypten, Libyen oder im Iran, die den Bürgern den freien Zugang zu Informationen versperrten, zu ihren Zielen.

Verbrüderung

Anonymous hatte sich kürzlich mit Lulz Security (kurz LulzSec) verbrüdert - eine Gruppe, die in den vergangenen Wochen mit Attacken auf den Unterhaltungskonzern Sony, den US-Senat und den US-Geheimdienst CIA bekanntgeworden war. Anonymous dagegen verfolgte von Anfang an politische Ziele und hat sich als Unterstützer der Enthüllungsplattform Wikileaks einen Namen gemacht.

Regierungen und Banken wüssten gar nicht, was auf sie zukomme, twitterte Anonymous. Und LulzSec kündigte an, nach dem Angriff auf eine britische Polizeibehörde gleich mehrere weitere Ziele ins Visier nehmen zu wollen. In einer im Web verbreiteten Erklärung begründete LulzSec die Attacken mit den ihrer Meinung nach fortschreitenden Bemühungen von Regierungsseite, das Internet zu dominieren und zu kontrollieren. "Unser oberstes Ziel ist es, jegliche Art von geheimen Regierungsinformationen zu stehlen und zu verbreiten", erklärte Lulz Security. "Hauptziele sind Banken und andere hochrangige Einrichtungen." Die Hacker sprachen von einem "Krieg" gegen diejenigen, die die Freiheit einschränken wollten. "Zusammen können wir uns verteidigen, damit unsere Privatsphäre nicht von profitgierigen Geschäftemachern überrannt wird."

Erstellt am 05.12.2011