Politik
08.12.2011

Feiertag: Der große Ansturm blieb aus

Einkaufen am Feiertag: Wer den 8. Dezember für eine Shoppingtour nützte, musste seine Beute vor den Windböen schützen.

Schau ma noch in dieses Geschäft?" – "Na, wir haben ja jetzt eh schon alle Geschenke." Und flugs steuert das mit zahlreichen Einkaufssackerln bepackte Paar einen der am breiten Gehsteig der Wiener Mariahilfer Straße stehenden Punschstände an. Zur Verschnaufpause nach der weihnachtlichen stürmischen Shoppingtour.

Bummeln, schauen, kaufen. Das stand am Marienfeiertag für viele Österreicher am Programm. Reges Treiben herrschte zumindest in der großen Einkaufsstraßen und den Einkaufszentren. Seit 1995 dürfen die Geschäfte auch am 8. Dezember offenhalten – was aber bei Weitem nicht mehr alle Händler tatsächlich nützen. Demonstrativ hält selbst so manche große Kette ihre Läden geschlossen. Wohl weniger, um den Mitarbeitern „Ruhe und Zeit“ zu schenken, sondern schlicht aus Kostengründen.

Kein Stress

"An einem langen Einkaufssamstag ist schon mehr los", kommentierte am Donnerstag so mancher Einkäufer auf der Mariahilfer Straße. Das stürmische Wetter und der Fenstertag am Freitag dürfte wohl einige abgehalten haben, sich in den „Einkaufstrubel“ zu stürzen. Einkaufen lässt sich auch in den nächsten Tagen. "Es ist recht voll, aber auf die Zehen steigt man sich nicht", meinte eine Dame, die mit einigen Packerln in der Hand aus dem Gerngross marschierte, lachend.

Während die einen gestresst über die für den Verkehr gesperrte Mariahilfer Straße eilten, ihre "Beute" vor Windböen schützend, hatten andere Muße, um Auslagen zu betrachten: "Ich mach’ mir keinen Stress und geh’ jetzt auf einen Glühwein."

Abseits der großen Einkaufsstraßen war das Aufkommen an Kauflustigen überschaubar. "Unsere Stammkunden kommen meist unter der Woche, heute sind eher Leute da, die einmal das Angebot begutachten", erzählte Thomas Kovazh, Inhaber des Schokoladen-Geschäfts Schokov in der Siebensterngasse. Nicht gerade von Kunden belagert wurde auch Lilo Krebernik im Sixxa-Shop in der Kirchengasse: "Hier in den kleinen Grätzeln gehen wir da eher unter, ein Problem ist zudem, dass nicht alle Läden offen haben."

Staufrei

Keinen Stau und sogar binnen Minuten einen Parkplatz gab es in der SCS in Vösendorf. Das meist jugendliche Publikum gustierte eher, als dass es kaufte. Gudrun Ihninger, 22, eine Oberösterreicherin, singt in einer der Einkaufspassagen alle gängigen Weihnachtslieder. Viele der SCS-Besucher halten dankbar inne und applaudieren für die Einstimmung auf Weihnachten.

Der ganz große Ansturm blieb auch in Linz auf der Landstraße aus. Ulrike Zechel vom gleichnamigen Spielwarengeschäft: "Eigentlich sollten ja alle Läden an einem Feiertag geschlossen bleiben." Christian Gerhofer, Chef der Stiefelkönig-Filiale, war mit dem Umsatz zufrieden: "Es war den ganzen Tag was los, die Samstage sind aber besser."

Über "einen 8. Dezember, der beide guten Einkaufssamstage sogar toppt", jubelte hingegen Marie-Therese Jutz vom Kaufhaus Tyrol in Innsbruck. "Die Kunden, darunter viele Italiener, kommen in Scharen und kaufen auch."

Bilanz: Zwischen Zufriedenheit und Hoffnung auf mehr

Man sei nicht unzufrieden, das Weihnachtsgeschäft laufe, aber in den kommenden zwei Wochen erhoffe man sich noch deutliche Verkaufssteigerungen. So lauteten die Einschätzungen aus dem Handel über den "Einkaufstag 8. Dezember". "Heute wurden Kaufentscheidungen von den Kunden zunehmend umgesetzt", formulierte etwa Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Vom windigen, eher unfreundlichen Wetter hätten vor allem die Einkaufszentren profitiert.

"Am Vormittag war es eher ruhig, jetzt am Nachmittag ist die Hölle los", schilderte Richard Lugner die Lage in "seiner" Lugner-City. Full House gab es auch im Donauzentrum, wie Center-Manager Christoph Stoll berichtete. Begehrtes Ziel speziell für "junge Mädels" sei der neu eröffnete Hollister-Shop gewesen.

Der 8. Dezember verliere seit Jahren an Zugkraft – so bilanzierte man in der Salzburger Wirtschaftskammer. Die großen Zentren hätten zwar einen "starken Tag" gehabt, doch für viele Unternehmen außerhalb zahle sich dieser Tag wegen der teuren Rahmenbedingungen (Überstundenzuschläge) nicht mehr aus. Der jetzt erfolgte Wintereinbruch habe aber gerade in der Sportartikel- und Schuhbranche für ein deutliches Aufatmen gesorgt.