Politik
05.12.2011

Family-Coach: Jedes Kind ist ein Künstler

Musikerziehung. Ein Hobby zwischen Drang und Zwang: Wie Kids mit dem richtigen Instrument ihr Talent ausleben können.

Auch die großen Künstler, die bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne stehen, waren einmal klein. Pianist Maurizio Pollini etwa galt als Wunderkind und gab mit zehn Jahren sein erstes eigenes Konzert. Doch nicht nur für die Stars ist Musik wichtig, betont Peter Röbke von der Musikuniversität Wien. "Nur einer von 100 Musikschülern bleibt im Beruf. Aber auch für die anderen wird Musik ein wichtiger Faktor ihres Lebens", erzählt der Musikpädagogik-Professor.

Sein Vorschlag: Kindern schon früh verschiedene Instrumente zum Ausprobieren geben und kreatives Musik-Machen ermöglichen. Das typische Einstiegs-Instrument für Kinder gebe es nicht. "Lange herrschte der Irrglaube, dass Blockflöte einfach zu spielen ist, aber das stimmt nicht. Und Geige ist nicht so schwierig, wie viele glauben", so der ehemalige Musikschuldirektor.

"Wenn ein Kind von einem Instrument begeistert ist, soll man es nicht davon abhalten. Mein elfjähriger Sohn trommelt bei jeder Gelegenheit auf etwas, sonst würde er zerplatzen. Für ihn ist das Schlagzeug perfekt geeignet. Wir haben aber auch schon einen Sechsjährigen in Trompete unterrichtet." Jedes Instrument erfordere eine andere Bewegung und habe einen anderen Charakter. Das müsse zum Kind passen. "Wir Geiger nehmen unser Instrument ganz nah zum Körper, Trommler schlagen drauf, Flötisten nehmen es in den Mund. Das wäre für mich undenkbar", bringt er einige Beispiele.

Die Wahl des ersten Instruments treffen Eltern oft pragmatisch, weiß Röbke: "Eine Flöte ist leicht zu transportieren und billig zu kaufen. Natürlich tun mir die Kids leid, die immer in einem Kofferwagerl ihr Akkordeon spazieren fahren." Kaum jemand traue sich etwa über einen Kontrabass drüber: "Da haben wir den Kindern zuerst beigebracht, wie man mit dem Instrument durch die Tür geht, ohne es zu beschädigen."

Klavier ist ein Klassiker für den Einstieg. "Aber viele Kinder spielen in der Musikschule auf einem schönen Klavier und zu Hause auf einem Keyboard, bei dem die Fingerhaltung überhaupt keine Rolle spielt. Da muss man sagen: Alles, was einen Ausschaltknopf hat, ist kein Klavier", stellt Röbke fest.

Kinder-Konzert

Ernst Smole war ein Musik-Pionier in der Steiermark. Der Gründer der Johannes Brahms Musikschule in Mürzzuschlag baut jetzt eine neue Schule in Wien auf. Mit seinen "70-Minuten-Konzerten" setzte er an der besten Musikadresse ein außergewöhnliches Projekt um: "Bei uns dürfen Musikschüler gemeinsam mit professionellen Musikern im Wiener Konzerthaus auftreten. Dabei konzentrieren wir uns immer auf ein Instrument, bisher Geige, Flöte und Kontrabass", erzählt der Dirigent stolz.

Erste Musikschritte ohne Ausbildung sind auch kein Problem, gibt Röbke Entwarnung: "Man behält falsche Griffe nicht ewig bei. Gehen lernen wir ja auch nicht dadurch, dass uns jemand zuerst die Theorie vorführt. Und viele Musiker sind Autodidakten."

Wichtig für die Musikerziehung sei die Freude dabei, betont KURIER Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger: "Jedes Kind hat Talent, und - selbst gespielte - Musik ist gut für sein Ego. Aber beim Instrument sollen der innere Kritiker und die Realitätsprüfung in den Hintergrund treten. Es soll einfach Spaß machen. Das heißt nicht, dass Kinder nicht konsequent üben sollen, etwa eine Viertel Stunde am Tag. Am besten gemeinsam mit Mama oder Papa."

Eltern müssen dabei den eigenen Ehrgeiz unterdrücken. Ein Kind möchte vielleicht nach einigen Monaten Unterricht schon ein Weihnachtslied vorführen - aber vielleicht auch nicht."