Falschspieler Assad

Stefan Galoppi
Foto: KURIER/Boroviczeny Stefan Galoppi

Syriens Diktator düpiert UN-Vermittler Kofi Annan – und damit die ganze Welt.

Bashar al-Assad weiß genau, wie er die zerrissene Staatengemeinschaft gegeneinander ausspielen kann: Zuerst verspricht er eine Waffenruhe, weil das alle hören wollen und weil sie das Gewissen seiner ohnehin handlungsunwilligen Gegner beruhigt. Dann hält er die Waffenruhe nicht ein und setzt darauf, dass es wieder Wochen dauert, bis eine Antwort auf seine Skrupellosigkeit gefunden wird.

In der Zwischenzeit können seine Schergen weiter Regimegegner jagen. Doch Assads böses Spiel wird langsam auch für ihn gefährlich: Denn im Versuch, Zeit zu schinden, hat der Staatschef dem UN-Sondergesandten Kofi Annan eine Waffenruhe versprochen, die jetzt fällig ist. Sie wird auch von Russland und China mitgetragen.

Wenn Assad jetzt plötzlich erklären lässt, Annan habe diese Abmachung falsch verstanden, so ist das ein Affront – auch für seine bisherigen Schutzherren. Wenn das Blutvergießen in Syrien anhält, werden sie am Ende reagieren müssen. Assads Trickkiste mag groß sein, unerschöpflich ist sie nicht. Vor allem enthält sie keinen Zauberstab, der ihn wieder in den weltweit anerkannten und respektierten arabischen Führer zurückverwandeln könnte. Assad kann seinen Sturz hinauszögern, aber wohl nicht mehr aufhalten.

(kurier) Erstellt am
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