Fall Entacher: Jetzt ermittelt die Polizei

Der Verfassungsschutz will nun klären, ob der abgesetzte Generalstabschef Edmund Entacher (Bild) Anschlagsziel oder Zufallsopfer wurde.
Foto: General/Edmund/Entacher-000/APA/ALINA PARIGGER

Wende in der Radmutternaffäre: Nach fragwürdigen Ermittlungen beim Heer hat nun der Verfassungschutz den Fall Entacher an sich gezogen.

Knalleffekt in der Radmutternaffäre um General Edmund Entacher: Nach einem unerklärlichen Tauziehen im Verteidigungsministerium um Ermittlungen oder Nicht-Ermittlungen ist nun der Verfassungsschutz von sich aus aktiv geworden. Wie berichtet, entging der abgesetzte Generalstabschef Entacher auf der Südautobahn nur knapp einem schweren Unfall. Es waren alle Radmuttern des linken Vorderrades gelockert. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: Schlamperei in einer Werkstätte, die Zufallstat eines Psychopathen, oder ein Attentat auf den politisch höchst exponierten General.

Doch scheinbar wollten die Verantwortlichen die Ursache nicht so wirklich wissen. Es wurde zwar ein Vernehmungsprotokoll mit Entachers Kraftfahrer angefertigt, doch das verschwand mit dem Geheimhaltungsvermerk "Verschluss" für einige Tage im Panzerschrank. Dann kamen kalmierende Stellungnahmen aus dem Büro von Minister Norbert Darabos. Demnach würde das Abwehramt ermitteln, doch für die Attentatsversion gäbe es keinen Hinweis.

Donnerstag erschien auch noch ein offensichtlich lancierter Medienartikel, in dem behauptet wird, "Top-Offiziere" des Verteidigungsministeriums wüssten, dass "nur Schlamperei" die Ursache des Vorfalls sei. Dem General wird dabei unterstellt, dass er in der Auseinandersetzung mit Darabos wegen seiner Absetzung den Vorfall für eine "Märtyrer-Rolle" nutzen wolle. Tatsache ist aber, dass kein Offizier im Verteidigungsministerium die Ursache der gelockerten Schrauben kennen kann, weil dort gar nicht mehr ermittelt wird.

Verfassungsschutz

Heeres-Sprecher Oberst Michael Bauer zum KURIER: "Das Bundesministerium für Landesverteidigung hat in dieser Sache keine Zuständigkeit mehr, es ermittelt der Verfassungsschutz."

Vom Landesamt für Verfassungsschutz in Wien war dazu in Erfahrung zu bringen, dass dieses anhand der KURIER-Berichterstattung über den Fall "von amtswegen tätig" wurde. Donnerstag wurde der Kraftfahrer Entachers zur Vernehmung geladen.
In weiterer Folge wird entschieden, ob die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Damit liegt der Fall dort, wo er nach Meinung namhafter Juristen auch hingehört: Bei der zivilen Strafverfolgungsbehörde. Denn das Abwehramt ist nur ein Nachrichtendienst des Bundesheeres.

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(kurier) Erstellt am
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