Experten für kürzere Ferien, Schüler nicht

Sommerferien: Wie sinnvoll werden die freien Tage verbracht?
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Viele Eltern sind auch in diesem Sommer gestresst: Die Schulferien dauern ihnen und auch den Bildungsexperten zu lange.

Noch 50 Mal am Morgen in Ruhe ausschlafen. Eine scheinbar unendlich lange Zeit. Zu lange meinen viele Eltern und Bildungsexperten. Jedes Jahr im Sommer beginnt deshalb die Diskussion: Wie sinnvoll werden diese freien Tage verbracht? Wie sollten die freien Tage übers Jahr am besten verteilt werden? Den Ferienalltag erlebt die österreichische Jugend recht unterschiedlich. Nicht alle wollen neun Wochen frei.

Legofreak

So zum Beispiel Alex, 11. Er ist diese Woche bei seiner Mutter zu Hause, die gerade Urlaub hat. "Gerade spiele ich Nintendo. Später hüpfe ich vielleicht noch in den Pool oder spiele Lego mit meinem Freund", erzählt er. "Nächste Woche bin ich im Hort. Bei dem Opa war ich auch schon ein paar Tage." Nach neun Wochen fällt Alex der Einstieg in die Schule nicht leicht. "Zwei Wochen weniger Sommerferien, dafür aber zwei Wochen frei im Herbst, wäre besser."

Lena, 10, freut sich auf eine Woche Ballett im Sommer. Mit rund 190 Euro die Woche ein teures Vergnügen für die Eltern. Zumal Schwester Lisa solange auf einem Tenniscamp ist, das 180 Euro kostet.

Bieber-Poster

Der neunjährigen Mira ist in den Ferien manchmal fad, "im Moment bin ich in meinem Zimmer und hänge Poster von Justin Bieber auf." Kürzere Ferien will sie aber dennoch nicht, "denn so muss ich zwei Monate lang nie früh aufstehen." Lucas, 17, geht heute ins Kino und schaut sich den neuen "Harry Potter" an. Maxim, 14, geht heute ins Freibad und springt hier vom Drei-Meter-Brett: "Für mich wären sieben Wochen Sommerferien ausreichend. Denn zum Ende der Ferien wird es schon fad".

Jovan, 13, ist die ganzen Ferien bei Verwandten in Serbien: "Ich genieße den langen Sommer", sagt er. Sein Schulfreund Kevin, 12, bleibt dagegen in Wien: "Ich häng' in einem Einkaufszentrum 'rum oder geh mit Freunden in den Fußballkäfig. Ich sitze viel vor dem PC oder dem Fernsehen."

Wissenschaft

Dass die Ferien in Österreich zu lang sind, sehen auch Bildungswissenschafter wie Christiane Spiel so: "Kinder und Jugendliche brauchen eine Erholungszeit. Doch nicht neun Woche am Stück." Vor allem im Herbst gibt es eine lange, lernintensive Periode, in denen die Schüler kaum Zeit zum Durchatmen haben: "Wir wissen aus Studien, dass vor allem ältere Schüler weit mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. Besonders am Sonntag haben sie kaum Freizeit: Sie bereiten sich auf die nächste Woche vor, lernen Vokabeln usw. Erholen können sie sich also zwischen September und Weihnachten kaum. Es würde ihnen aber gut tun."

Doch Ferien bedeuten nicht nur Erholung. Sie können für die ganze Familie zum Stress werden. "Die Eltern fragen sich, was sie mit ihren Kindern in dieser langen Zeit machen. Das ist organisatorischer und emotionaler Stress. Die Kinder bekommen das natürlich mit", sagt Spiel.

Wie es auch anders gehen kann, zeigen die skandinavischen Länder: "Dort gibt es eine leistbare und hochqualitative Betreuung am Nachmittag und in den Ferien. Kinder und Eltern haben so ein entspannteres Verhältnis zur Schule."

Elternwunsch

Theodor Saverschel vom Bundeselternverband vermisst gerade diese leistbare Kinderbetreuung in dieser Zeit. "Eltern sollten sich darauf verlassen können, dass etwas Sinnvolles mit dem Kindern in der Zeit gemacht wird." Er warnt aber davor, die langen Ferien zu kürzen: "Über die Hälfte aller Oberstufenschüler sind in einer berufsbildenden Schule. Und da haben die meisten im Sommer vierwöchige Pflichtpraktika. Wenn die Ferien für alle kürzer wären, hätten diese Schüler kaum eine Auszeit im Sommer." Seine Forderung deshalb: "Wir brauchen ein Gesamtkonzept. Die Schulpartner, also Eltern, Lehrer und Schüler, müssten da mit einbezogen werden."

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(kurier / Ute Brühl, Uwe Mauch) Erstellt am
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