Politik 28.01.2012

„Es wird personelle Konsequenzen geben“

© Bild: KURIER

Universitäts-Professor Reinhard Krepler ist Ärztlicher Direktor des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien.

KURIER: Herr Professor, das AKH steht seit Tagen im Kreuzfeuer der Kritik.

Reinhard Krepler: Mir tut das Schicksal der Patientin sehr, sehr leid. Vonseiten der Ambulanz ist nicht richtig vorgegangen worden.

Wo genau sind Fehler passiert?

Die Patientin wurde nicht als Patientin mit einem akuten Problem wahrgenommen. Man dachte, sie will sich für eine normale Geburt anmelden. Und wir nahmen an, dass sie im Göttlichen Heiland weiter betreut wird. Es hat sich also um einen schweren Kommunikationsmangel gehandelt.

Wer trägt die Schuld?

Schuld ist die Fachärztin, der die Kommunikation mit der Patientin nicht gelungen ist und die den Vorgang nicht gut dokumentiert hat. Das Gespräch zum Thema Blutungen ist überhaupt nicht festgehalten worden.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem Fall?

Es wird personelle Konsequenzen geben. Welche, das wird vom Ergebnis der Untersuchungen abhängen. Und es ist vorgesehen, dass dieses Formblatt, das man ausfüllen muss, verbessert wird. Weiters wird Professor Husslein (Leiter der Gynäkologie, Anm. d. Red.) seine Ärzte neu instruieren, wie sie künftig vorzugehen haben.

Nämlich?

Die Gespräche mit den Patienten müssen so geführt werden, dass die komplette Vorgeschichte erhellt wird. Und man muss die Patientinnen dabei unterstützen, dass sie in einem anderen geeigneten Krankenhaus behandelt werden, wenn wir nicht die Kapazität haben.

Professor Husslein hat im KURIER-Interview gesagt: „Wir haben nur noch Kapazitäten für Risikofälle.“ Teilen Sie seine Meinung?

Da hat er sich nicht gut ausgedrückt.

Er hat gesagt, man pfeife „aus dem letzten Loch“.

Solche Aussagen sind falsch. Wir haben die Kapazität für die Frauen, die uns wirklich brauchen. In der Ambulanz gibt es keinen Personalmangel. Und wir haben auch genug Betten.

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Erstellt am 28.01.2012