Politik
05.12.2011

Elsner möchte sich im Ausland kurieren lassen

Nach seinem Spitalsaufenthalt meidet der Ex-Bawag-Chef die Öffentlichkeit. In ein paar Tagen will er auf Kur gehen - vermutlich im Ausland.

Helmut Elsner, 76, scheute Journalisten, als er am Mittwoch gegen zehn Uhr klammheimlich von seiner Frau aus dem Wiener Wilhelminenspital nach Hause chauffiert wurde. "Ich möchte dazu nichts sagen. Mein Mann ist ein Patient. Er braucht jetzt Ruhe", erklärte Ruth Elsner kurz und bündig.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund meldete sich 50 Minuten nach Elsners Abgang zu Wort: "Aus Sicht des Spitals gab es keinen Grund, ihn länger im Krankenhaus zu behalten", hieß es. Und: Elsner habe keine Öffentlichkeit gewollt.

Jetzt ist Helmut Elsner, der 2007 verhaftet und 2008 wegen Untreue in Milliardenhöhe verurteilt worden war, tatsächlich ein freier Mann. Seit vergangenem Freitag ist der Herzkranke nach langem Tauziehen seiner Anwälte mit der Justiz haftuntauglich.

"Weisung"

Der 76-Jährige wurde wegen akuter gesundheitlicher Probleme am 21. Juni von der Justizanstalt Josefstadt ins Krankenhaus überstellt. Seitdem dürfte sich sein Zustand sukzessive gebessert haben. Der 76-jährige Ex-Banker dürfte jedoch psychisch schwer angeschlagen sein. "Die Ärzte haben gesagt, dass es aus psychischen Gründen gut sei, wenn er ein paar Tage in der eigenen Wohnung verbringt", erklärt Elsners Anwalt, Stephan Jürgen Mertens. Dies sei eine "ärztliche Weisung gewesen", betont er. "Dass er jetzt nach Hause gehen kann, war sicherlich keine Husch-Pfusch-Entscheidung", meint Ehefrau Ruth Elsner.

Erstmals seit viereinhalb Jahren verbringt Elsner ungestörte Stunden mit seiner Frau - vorerst in einer privaten Unterkunft. Spekulationen, die Elsners würden ihre Villa in Mougins an der Côte d'Azur (siehe Artikelende) beziehen, weist Ruth Elsner scharf zurück: "Das ist derzeit überhaupt kein Thema. Mein Mann kann diese weite Reise sicher nicht antreten."

Der Aufenthalt sei aber ohnehin nur eine Überbrückung für ein paar Tage - bis zum ärztlich empfohlenen Kuraufenthalt. Dieser werde "eher im Ausland" stattfinden, erzählt der Anwalt. "Das wird erst entschieden." Der Vorteil liegt für ihn auf der Hand: "Im Ausland hat er keinen Promi-Status und kann in Ruhe genesen."

Gegen einen Auslandsaufenthalt spricht nichts. Elsner musste seinen Pass nicht abgeben, "da er auf Basis eines rechtskräftigen Beschlusses in den nächsten acht bis zehn Monaten aufgrund medizinischer Gutachten strafvollzugsuntauglich ist", bestätigt Christian Gneist, Sprecher des Straflandesgerichts. Nach dieser Frist kann die Justiz erneut seine Haft(un)tauglichkeit prüfen. Gneist vertraut darauf, dass Elsner erscheinen wird.

Wildwuchs im gepfändeten Millionärsparadies
Für seine Millionenvilla in der südfranzösischen Kleinstadt Mougins nahe Cannes besitzt Helmut Elsner zwar noch die Schlüssel, doch im Grundbuch steht die Justiz.
Die Villa in der Millionärsfestung "Domaine Parcs de Mougins" wurde von der Justiz im September 2006, nur wenige Tage vor Elsners Verhaftung, gepfändet. Dadurch soll eine Wiedergutmachung ermöglicht werden. Dieses Verfahren ist noch offen, was für Elsners Anwalt Mertens "unverständlich" ist.
Seitens des Landesgerichtes Wien konnte die Frage nach einem eventuellen Wohnrecht der Elsners nicht beantwortet werden. Eine Frage, die sich für Ruth Elsner gar nicht stellt. Ihr Mann sei zu schwach für so eine weite Reise. Außerdem sei das Haus seit Jahren nicht gepflegt worden - was die Aufgabe der Justiz gewesen wäre - und sei nun dementsprechend verwildert.

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