Politik
05.12.2011

El Kaida: Chefs sterben, Gefahr bleibt

Laut US-Medien soll der Libyer Atiyah Abd al-Rahman bereits am 22. August in Pakistan von einer US-Drohne getötet worden sein.

D er neue US-Verteidigungsminister Leon Panetta ist überzeugt, dass ein Sieg über El Kaida möglich ist. Dazu müssten noch etwa 20 Führungsmitglieder des Terrornetzwerks getötet oder gefangen genommen werden, sagte er kürzlich. Dass die US-Geheimdienste daran arbeiten, zeigt ihre Erfolgsmeldung vom Wochenende: Kurz vor dem 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 gaben sie den Tod von Atiyah Abd al-Rahman bekannt. Der gebürtige Libyer sei bereits am 22. August bei einem der zahllosen Angriffe mit ferngesteuerten US-Drohnen im pakistanischen Stammesgebiet Waziristan ums Leben gekommen.

Sprengstoffexperte

Die US-Informanten bezeichneten den Enddreißiger als Nummer zwei des Terrornetzwerks. Der Sprengstoffexperte sei ein enger Vertrauter von Osama bin Laden gewesen, habe für ihn Terroranschläge geplant, Kurier zu anderen El-Kaida-Führern gespielt und Nachwuchs rekrutiert. Auch zum 9/11-Jahrestag hätten sie gemeinsam Terrorpläne geschmiedet.

Nach Bin Ladens Tod durch ein US-Spezialkommando am 2. Mai habe sich auch sein Nachfolger, der Ägypter Ayman al-Zawahiri, sehr auf Rahman gestützt: "Er wird ohne Frage nicht leicht zu ersetzen sein", glauben die US-Ermittler.

Ihre Erkenntnisse wollen sie durch die Auswertung der privaten Aufzeichnungen und Dateien gewonnen haben, die sie in Bin Ladens letztem Versteck in Abbottabad sichergestellt hatten.

"Falschmeldung"

"Für mich ist das nur ein Gerücht", meinte hingegen ein pakistanischer Beamter. "Um ganz offen zu sein, wir haben nicht einmal Informationen, dass ein Mann mit diesem Namen Vizechef von El Kaida ist." Auch die afghanischen Taliban sprachen von einer Falschmeldung der USA.

Unabhängig vom angeblichen Tod des El-Kaida-Planers sind Experten überzeugt, dass die Terrorgefahr noch lange nicht gebannt ist. Aus Bin Ladens Unterlagen soll hervorgehen, dass er vor seinem Tod neue Attentatspläne in Auftrag gegeben hatte - nicht nur klassische Anschläge, sondern auch groß angelegte Entführungen in Europa. Dementsprechend alarmiert bleiben die Sicherheitsbehörden.

Auch wenn die Top-Leute von El Kaida ausgeschaltet werden, so bleibt die extrem dezentralisiert aufgebaute Organisation schwer zu bekämpfen. Lokale Zellen in aller Welt lassen sich von den fernen Führern zwar inspirieren und finanziell unterstützen. Sie nützen auch gerne das Angst einflößende Image von El Kaida. Sie agieren aber weitgehend selbstständig und schlagen zu, sobald sie sich dazu in der Lage sehen.