Eklat um dichtenden Jungsozi

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"Reiche schlachten": Zwei SJ-Funktionäre wurden wegen eines geschmacklosen Reimes auf Facebook entmachtet.

Ich bin über so viel Gewalt entsetzt..." Ein Niederösterreicher postete zu einem klassenkämpferischen Gedicht, das von einem Funktionär der Sozialistischen Jugend (SJ) Bruck an der Mur auf Facebook zu lesen war. "Jeder wird verstehen dass die Reichen bald ihr Ende sehen ... Angesicht zu Angesicht werden sie geschlachtet und ihre Gründe an Obdachlose verpachtet ..." Der "Dichterfürst", der sich diese Zeilen zur Entmachtung der Reichen zusammengereimt hatte, war Sebastian Seidlitz, Vorsitzender der SJ-Bruck.

Rasche Reaktion

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Der Parteiapparat fackelte nicht lange. Der Jungsozi wurde seiner Funktion enthoben. Ebenso wie der Bezirksvorsitzende Michael Peiner, der den Reim mit "Der is seeehr nice" kommentiert hatte.

"Wir haben innerhalb von 24 Stunden als Organisation reagiert", sagt Landesvorsitzender Max Lercher. Am 13. August sei das passiert. Ein Schiedsgericht werde über die weitere Zukunft der beiden Jungsozis in der Partei entscheiden.

Böhler-Mitarbeiter Seidlitz betont, sein Facebook-Eintrag habe nichts mit der Partei zu tun. Er habe das als Biss gemeint, im Rap-Jargon eben. AHS-Schüler Peiner will das auch nicht als politische Meinung verstanden haben.

"Das ist ein morbider Schmäh, dafür habe ich kein Verständnis", alteriert sich Lercher. Gerade die SJ sei eine pazifistische Organisation. "Aufrufe zu Hass und Gewalt werden nicht toleriert." Rasches Handeln sei gefragt gewesen: "Sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit. Wenn in der FPÖ wieder einmal gehetzt wird, müssen wir gewappnet sein."
Der RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend) habe einen Screenshot ausgeschickt und die verbale Entgleisung publik gemacht. "Versteh' ich, das hätten wir auch so gemacht", sagt Lercher.

Kritik an FPÖ

"Aber schön wär's, wenn die FPÖ in ihren eigenen Reihen so rasch reagieren würde. Ihre Abgeordnete Susanne Winter wurde wegen Verhetzung rechtskräftig verurteilt und sitzt noch immer im Parlament", repliziert Lercher. Auch FP-Chef Gerhard Kurzmann erwarte einen Strafprozess. "Jungsein berechtigt nicht dazu, alles zu machen", warnt auch der SPÖ-Bezirksvorsitzende Siegfried Schrittwieser ungestüme Funktionäre. Hasstiraden hätten in der SPÖ keinen Platz.

(kurier) Erstellt am
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