Politik
11.01.2012

Ein gerechter Krieg?

Eine Demokratie, die Mord als Mittel der Politik einsetzt, gefährdet zuletzt sich selbst.

Physiker, Atomingenieure, Raketentechniker: Die unheimliche Mordserie an iranischen Experten lässt eigentlich kaum noch einen anderen Schluss zu als eine Beteiligung westlicher Geheimdienste. Und Israels Mossad war in der Beseitigung unliebsamer Gegner schon immer ein wenig konsequenter, aber auch erfolgreicher, als die Kollegen der CIA, die etwa Fidel Castro über Jahrzehnte ohne Erfolg nachstellten.

Israel mag ja gute Gründe haben, eine iranische Atombombe verhindern zu wollen. Eine moralische Rechtfertigung für Bluttaten, wie sie ja gerade rechte Regierungen in Jerusalem immer schnell zur Hand haben, kann eine Demokratie nie für sich in Anspruch nehmen. Verletzung staatlicher Souveränität, egal, ob mit mordenden Agenten oder mit Kampfjets, ist ein Akt des Krieges – und wird auch so beantwortet.

Regime gestärkt

Westliche Demokratien haben sich mit ihren mordenden Agenten-Truppen am Ende immer Schwierigkeiten eingehandelt. Man denke nur an die üble Rolle der CIA in der US-Innenpolitik oder an die Aushöhlung der italienischen Demokratie durch Geheimoperationen wie Gladio. Diktaturen dagegen – vor allem religiöse wie jene in Teheran – tun sich mit Gewalt als Mittel der Politik ohnehin leichter als demokratische Staaten. Je attraktiver sich das Feindbild Israel durch seine Politik macht, desto besser können Irans Ayatollahs ihre Landsleute hinter sich versammeln.
Irans Atomprogramm mag durch den Tod eines Wissenschaftlers getroffen werden, das iranische Regime wird gestärkt. Und es hat sich in Gestalt der Hisbollah im Libanon, der Hamas in Gaza und den radikalen Schiiten im Irak Waffen verschafft, die für die Atommacht Israel weit gefährlicher werden können als eine Bombe.

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