Politik 05.12.2011

Eignungstest für alle Lehrer ab 2013

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Unterrichtsministerin Claudia Schmied will künftig auch angehende AHS-Lehrer auf ihre Eignung überprüfen.

Viele Lehrer, einige Schultypen, eine Ausbildung. Wie das Ö1-Morgenjournal berichtet, plant man im Unterrichtsministerium, ab 2013 alle angehenden Lehrer - nicht wie bisher nur Pflichtschullehrer - auf ihre Berufseignung zu überprüfen.

Bisher konnte Studienanfänger ohne jede Zusatzüberprüfung eine Lehrerkarriere in Angriff nehmen. Fast noch paradoxer erscheint die Tatsache, dass aktuell jemand, der für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule als ungeeignet abgelehnt wurde, direkt an die Universität gehen und dort seine Ausbildung zum AHS-Lehrer beginnen kann. "Eine skurrile Situation", kritisiert etwa Bildungsexpertin Christa Koenne gegenüber Ö1.

Wichtiges Feedback

Demnach wolle man in Zukunft alle Lehramtsstudenten vor dem Ausbildungsstart prüfen. Neben punktuellen Eignungsprüfungen, die letztlich nicht das einzige Kriterium bilden dürften, solle vor allem die Frage geklärt werden, ob sich die Kandidaten wirklich eine Karriere als Lehrer vorstellen können.

Weiters solle den möglichen Nachwuchspädagogen die Möglichkeit gegeben werden, eine faire und realistische Beurteilung ihrer "Außenwirkung" - die für einen Lehrer von wichtiger Bedeutung sei - zu bekommen.

Danke, nein!

Den Vorschlägen der Vorbereitungsgruppe für die Ausbildungsreform steht Unterrichtsministerin Claudia Schmied positiv gegenüber. Das Eignungsverfahren sei "sehr wichtig", dürfe aber nicht zur "unverbindlichen Selbstreflexion" verkommen und nur als pro-forma-Hürde dienen.

Am Ende werde man ungeeignete Studenten ablehnen müssen, heißt es aus dem Ministerbüro. Eine Sichtweise, die sich mit der des Vizerektors der Uni Salzburg, Rudolf Mosler, zu 100% deckt. Wenn jemand für den Beruf nicht geeignet ist, müsse man "Konsequenzen ziehen", so Mosler.

Ängste & Chancen

Ein solcher Eignungstest birgt aber naturgemäß auch einige Risiken. So etwa könnten zu wenige Bewerber die "Hürde" überwinden und damit ein "Lehrermangel" provoziert werden, was allerdings im Umkehrschluss auch zu einer Absenkung der Test-Anforderungen führen könnte, welcher dadurch an Legitimität verlieren könnte.

Andererseits kann eine solche Reform auch durchaus als Chance begriffen werden, als Chance, das soziale "Standing" und die allgemeine Wahrnehmung eines ganzen Berufsstandes aufzuwerten. Im PISA-Musterland Finnland schaffen etwa nur 10% der Bewerber das Aufnahmeverfahren, und da der Lehrerberuf dort "hoch angesehen" ist, hat man auch keine Nachwuchssorgen.

Vizerektor Mosler verweist hier zwar darauf, dass man "nicht in einer so günstigen Situation wie Finnland" sei, man würde aber gerade jetzt - aufgrund der vielen Pensionierungen - viele neu ausgebildete und motivierte Lehrerinnen und Lehrer brauchen. Eignungsverfahren seien seiner Meinung nach der Schlüssel dazu und auch nichts Verwerfliches, zumal es beim Sportstudium und an Kunstakademien ebenfalls solche Eignungsprüfungen gebe und sich daran ja bislang auch niemand gestoßen habe.

Erstellt am 05.12.2011