Edlinger-Ploder für Selbstbehalt beim Arzt

Zahlen beim Arztbesuch: Die steirische ÖVP-Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder wünscht sich das für alle heimischen Patienten.
Foto: apa/Patrick Pleul

Die steirische ÖVP-Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder wäre auch für die Wiedereinführung der Ambulanz-Gebühr.

Mit einem polarisierenden Vorschlag will Kristina Edlinger-Ploder die Diskussion um die Gesundheits- und Spitalsreform beleben.

"Ich hielte es für durchaus sinnvoll, wenn alle Patienten in Österreich bei ihrem Arztbesuch einen Selbstbehalt zahlen", sagt die steirische ÖVP-Gesundheitslandesrätin zum KURIER.
Die Erfahrungen von Krankenversicherungen mit Selbstbehalten (z. B. Beamte, Bauern, Unternehmer, Anm.) würden seit Jahren zeigen, dass diese Maßnahme eine Reihe von positiven Effekten bringt: "Patienten, die Selbstbehalte zahlen, hinterfragen weitaus öfter all das, was Ärzte verschreiben oder mit ihnen anstellen. Das ist sehr zu begrüßen, denn es schafft Transparenz und fördert, was auch die Ärzte wollen: den mündigen Patienten."

Zudem sei es hoch an der Zeit, dass die Menschen "bewusster mit der hohen Qualität unserer medizinischen Versorgung umgehen".

Bequemlichkeit

Als Negativbeispiel nennt die Gesundheitspolitikerin die Spitalsambulanzen: "Eigentlich sind Ambulanzen für akute Notfälle gedacht. Tatsächlich werden sie aber vielfach anders wahrgenommen, nämlich so: ,Ich bin zwar kein Notfall, aber ich gehe trotzdem in die Ambulanz, weil die hat immer offen - und außerdem kann ich bequem gleich alles aus einer Hand erledigen.'"
Ist Edlinger-Ploder demnach auch für die Wieder-Einführung von Ambulanzgebühren? "Die Umsetzung war miserabel, aber die Idee hatte etwas. Mit der Ambulanzgebühr hätte man den Menschen einfach beibringen können, dass ihr Beitrag zur Sozialversicherung nicht automatisch bedeutet, dass sie rund um die Uhr auch das Recht auf eine nach ihren ganz privaten
Wünschen und Vorlieben gestaltete medizinische Versorgung haben."
Den Einwand, wonach Selbstbehalte und Ambulanzgebühren den Zugang zu medizinischen Leistungen erschweren und damit vor allem sozial Schwache treffen, lässt die Steirerin nicht gelten. "Verschiedenste Patienten in Österreich, seien es Bauern, Beamte oder auch Eisenbahner, zahlen ganz selbstverständlich ihre 20 Prozent Selbstbehalt. Wenn man will, könnte man Selbstbehalte wie die Rezeptgebühr nach sozialen Kriterien staffeln."

Versicherungspflicht

Änderungen könnte sich Edlinger-Ploder auch bei der Pflichtversicherung vorstellen: "Warum schreiben wir den Menschen vor, welcher Krankenkasse sie beitreten?"

Für die Steirerin wäre eine Versicherungspflicht (Arbeitnehmer muss sich zwar versichern, kann sich die Krankenkasse aber aussuchen) weitaus sinnvoller: "Dann würden sich die Kassen mehr um ihre Patienten bemühen. Und es würde ein Wettbewerb der besten Ideen entstehen."

(kurier) Erstellt am
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