Politik
05.12.2011

Dürre: "Das Baby starb in meinen Armen"

Horn von Afrika: Elf Millionen Menschen droht der Hungertod, davon sind zwei Millionen Kinder. Die Caritas hilft und bittet um Spenden.

Wochenlang war die hochschwangere Weheleey Osman Haji auf den staubigen Pisten ihres Heimatlandes Somalia unterwegs. Meist zu Fuß, ab und zu auf kleinen Lastwagen. Ein Lager in Kenia, von dem die Frau gehört hatte, das war ihr letzter Hoffnungsanker. Denn in ihrem Dorf hatte die Dürre der 33-Jährigen und ihren fünf Kindern alles genommen.

Doch zunächst schaffte sie es nur bis in die kenianische Grenzstadt Liboi. 80 Kilometer vom Flüchtlingscamp Dadaab entfernt setzten die Wehen ein. Unter einem Akazienbaum brachte Weheleey Osman Haji eine Tochter zur Welt. Iisha heißt der neue Erdenbürger, was frei übersetzt "Leben" bedeutet. Ob das Mädchen tatsächlich eine Chance haben wird, hängt nicht zuletzt auch von der internationalen Hilfe ab.

Schlimmste Dürre seit 60 Jahren

Denn die gesamte Region am Horn von Afrika ist der schlimmsten Dürre-Periode seit 60 Jahren ausgesetzt. Rund elf Millionen Menschen drohen zu verhungern, davon zwei Millionen Kinder. "Das große Drama ist Somalia", sagt der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl. In dem Land falle die unermessliche Trockenheit mit einer "entsetzlichen politischen Situation" zusammen. "Ein Super-Gau für die Bevölkerung."

Daher sind immer mehr Somalis gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Denn ihre Herden, der einzige Besitz, sind verendet. Doch die Flucht nach Kenia wird für viele zum Todesmarsch: Zehnjährige müssen ältere Geschwister schultern, wenn diese nicht mehr weiter können. Funktioniert das auch nicht mehr, werden die Allerschwächsten zurückgelassen - zum Sterben in der Wüste.

Die, die es bis in das kenianische Lager Dadaab schaffen, sind aber längst noch nicht über dem Berg. Denn die Helfer im größten Flüchtlingslager der Welt sind heillos überfordert. Für 90.000 Menschen war es angelegt, heute drängen sich dort fast 400.000 Verzweifelte. Und täglich werden es um 1300 mehr. Nach langem Zögern hat sich die Regierung in Nairobi, die fürchtet, dass somalische Islamisten einsickern könnten, nun doch bereit erklärt, ein weiteres Camp nahe der Grenze zu errichten.

"Ich weinte mit der Mutter"

In Dadaab erhalten die Flüchtlinge zwar Lebensmittel-Pakete und Wasser, doch viele sind bereits derart geschwächt, dass diese Hilfe zu spät kommt. "Ich wollte noch irgendetwas unternehmen, doch es war vergebens. Das Baby starb in meinen Armen. Ich weinte mit der Mutter", sagte eine Schweizer Krankenschwester der BBC . Laut UN-Angaben hat sich die Kindersterblichkeit in dem Lager in den vergangenen Monaten verdreifacht. Auf dem Areal gibt es bereits mehrere Friedhöfe.

"Was ich hier gesehen habe, ist mit nichts zu vergleichen", zeigte sich UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres angesichts der Not zutiefst erschüttert. Um diese zu lindern, müsse die Weltgemeinschaft rasch 1,1 Milliarden Euro bereitstellen, fordert die UNO. Dann hätte auch Iisha eine Chance, dass sie ihren ersten Geburtstag erlebt.

Caritas: 35 Euro retten eine Familie

Angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Dürre-Katastrophe am Horn von Afrika intensiviert die Caritas-Österreich ihre Aktivitäten in der Region. Am Wochenende werden zwei Mitarbeiter zu den lokalen Partnern reisen, mit denen die Organisation seit Jahrzehnten zusammenarbeitet.

Caritas-Präsident Franz Küberl zum KURIER: "Wir müssen jetzt rasch handeln - ehe es zu spät ist. Die Hilfe für die verzweifelten Menschen ist eine echte Nagelprobe für das Weltgewissen." Die österreichische Regierung hat am Freitag 500.000 Euro zugesichert.
Die Caritas-Österreich selbst hat 50.000 Euro für Nothilfe-Programme flüssig gemacht. Zudem unterstützt sie derzeit 3000 Familien mit Lebensmittelpaketen. Damit können sich rund 20.000 Menschen eine Zeit lang ernähren. Ein Paket kostet 35 Euro. Auch die schon zuvor angelegten Regenwasserspeicher für die Nomaden erweisen sich jetzt als Segen.


SPENDEN: PSK 7,700.004;
BLZ: 60.000; Kw.: Augustsammlung.