Politik
29.12.2011

Diskussion um Beileid für Kim Jong-Il

Bundespräsident Heinz Fischer soll zum Tod des nordkoreanischen Diktators kondoliert haben. Die Präsidentschaftskanzlei dementiert.

Die angebliche Kondolenz von Bundespräsident Heinz Fischer anlässlich des Todes des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il hat am Donnerstagabend für Aufsehen gesorgt. Die nordkoreanische staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete auf ihrer Website, Fischer habe zum Tod des Diktators sein "tiefes Beileid" ausgedrückt. Die Präsidentschaftskanzlei dementierte hingegen auf APA-Anfrage, dass Fischer kondolierte. Eine "Mitarbeiterin" habe jedoch anlässlich eines Besuches in der nordkoreanischen Botschaft in Wien "persönlich kondoliert", sagte Sprecher Bruno Aigner.

Laut KCNA-Bericht hatte "ein Assistent" Fischers der nordkoreanischen Botschaft am 27. Dezember einen Kondolzenbesuch abgestattet und dabei einen Moment vor einem Porträt Kim Jong-ils inne gehalten. Danach habe "er" sich in das Kondolenzbuch eingetragen.

Nach Angaben der KCNA sollen auch das österreichische Außenministerium und die SPÖ St. Pölten ihr "aufrichtiges Mitgefühl" über den Tod von Kim Jong-il erklärt haben. Das Außenamt versicherte gegenüber der Tageszeitung "Die Presse" (Freitagausgabe) jedoch, dass man kein normales Kondolenzschreiben, sondern nur ein formloses Schreiben an das nordkoreanische Volk verschickt habe. Der aus St. Pölten stammende Nationalratsabgeordnete Anton Heinzl bestreitet, im Namen der SPÖ St. Pölten den Tod von Kim Jong-il betrauert zu haben: "Ich war als Privatperson in der nordkoreanischen Botschaft in Wien und habe mich in das Kondolenzbuch eingetragen", erklärte Heinzl gegenüber der "Presse".

Der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner sagte in einer Stellungnahme gegenüber der APA, er könne das Dementi Fischers "nicht glauben", unter anderem "aufgrund seiner langjährigen Beziehung zu Nordkorea". Fischer war früher Gründungsmitglied und langjähriges Präsidiumsmitglied der österreichisch-nordkoreanischen Freundschaftsgesellschaft. Der Bundespräsident habe "dringenden Aufklärungsbedarf", es sei "inakzeptabel", als Staatsoberhaupt einem "stalinistischen Regime sein Beileid für den Tod eines der schlimmsten Diktatoren" auszudrücken", so Petzner.