Politik
05.12.2011

Die UNO-Soldaten zwischen den Fronten im südlichen Libanon

Analyse zur Lage im Libanon

Der multikonfessionelle Libanon ist unregierbar. Das 4,1-Millionen Einwohner-Land ist nach 15 Jahren Bürgerkrieg so zerrüttet, dass sich jeder, der will, mangels funktionierender Zentralgewalt breitmachen kann.
Die Ersten waren die Palästinenser mit der PLO des Yassir Arafat, die nach der Vertreibung aus Jordanien 1970 hier Fuß fassten und einen Terrorkrieg gegen Israel begannen.

Die Israelis antworteten ab 1978 mit Offensiven - was das Ende der schlecht organisierten PLO im Libanon bedeutete - mit allen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Damals wurde die UNO-Beobachtertruppe UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) gegründet.

Ab 1982 baute der Iran eine "zweite Front" im Libanon auf. Mithilfe der Hisbollah - einer religiös-politischen Bewegung, die besser bewaffnet ist als die libanesische Armee. Zuletzt provozierte die Hisbollah 2006 mit Raketenangriffen auf Israel einen schweren Gegenschlag aus der Luft, der den gesamten Libanon traf.

Noch immer gibt es etwa 360.000 Palästinenser, die zwar rechtlos, aber dafür schwer bewaffnet in Lagern ihr Dasein fristen und völlig unberechenbar sind. Neuerdings droht auch der beginnende syrische Bürgerkrieg überzuschwappen. Syrische Oppositionelle kaufen hier Waffen. Syrische Militärs und Geheimpolizisten machen hier Jagd auf sie. Andererseits wird aber auch von libanesischen Schlägerkommandos berichtet , die in Syrien auf Seiten des Regimes gegen die Opposition vorgehen. Es wird befürchtet, dass die Hisbollah im Zuge der israelisch-iranischen Auseinandersetzung und als Entlastung für das bedrängte Assad-Regime in Syrien wieder einen Raketenkrieg provozieren könnte. Das Hisbollah-Arsenal soll 40.000 Raketen umfassen.

Pulverfass

Unerwartet treten noch neue Spannungen zwischen den Schiiten und den Sunniten im Libanon zutage. In dieser brisanten Lage hat die UNIFIL-Truppe den Auftrag, südlich des Litani-Flusses zu verhindern, dass die Hisbollah neuerliche Raketen gegen Israel in Stellung bringt. Dafür wurde das Beobachter-Mandat aufgewertet. Heute ist das eine Truppe mit 15.000 Mann, die über einen Marineverband die See überwacht und einen Kampfauftrag hat. Das macht UNIFIL unbeliebt: Viele Libanesen sehen darin eine Truppe, die die verhassten "Zionisten" beschützen soll. Die Israelis wiederum werfen der UNIFIL-Truppe Versagen vor und zögern nicht, bei ihren Operationen auch UN-Stellungen zu bombardieren. Die vorläufige Bilanz der "Mission Impossible": 258 getötete UNO-Soldaten.

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