Politik 03.04.2012

Die Sahelzone darf keine "failed area" werden

© Bild: KURIER - Boroviczeny

Afrika und der Rest der Welt sind zu Recht besorgt über die "Auflösung" Malis.

Um ein weiteres Abrutschen der Sahelzone in die Anarchie zu verhindern, müssen jetzt alle vernünftigen Kräfte an einem Strang ziehen. Denn der Vorstoß der Tuareg-Rebellen – in unheiliger Allianz mit Radikal-Islamisten – und die damit verbundene De-facto-Teilung Malis hat ungeheure Sprengkraft, die eine ganze Region in den Abgrund stoßen könnte. Denn angestachelt durch den Erfolgslauf der malischen Stämme könnten sich auch in Niger oder Algerien Tuareg-Verbände auf ein separatistisches Abenteuer einlassen – und damit einen Flächenbrand in einem Gebiet entfachen, das jetzt schon unter Dürre, Terror und Drogenbanden leidet.

Doch wie lässt sich der entfesselte Geist wieder in die Flasche zwingen? Wohl nur mit einer Mischung aus Drohung und Dialog. Ersteres passiert: Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schließt eine Militärintervention in Mali nicht aus. Primär richtet sich die Botschaft an die Putschisten, die am 22. März die Macht übernommen haben. Doch Adressat waren auch die Tuareg. Diese werden von ihren Maximalforderungen nach einem eigenen Staat aber nur dann ablassen, wenn sie endlich Beachtung finden. Denn sowohl die früheren französischen Kolonialherren als auch die späteren malischen Regierungen haben das Nomadenvolk und die Entwicklung ihrer Gebiete sträflich vernachlässigt.

Letztlich ist ein Zugehen auf die Tuareg – finanzielle Anreize müssten wohl part of the game sein – die einzige Chance, den Konflikt einzudämmen. Und nur so können deren Bande mit den örtlichen Radikal-Islamisten durchschlagen werden. Denn der jetzige, lose Schulterschluss ist taktisch motiviert, der Dschihad ist nicht Sache des stolzen Wüstenvolkes. Mehr noch: Man könnte in den Tuareg sogar einen Verbündeten im Kampf gegen den El-Kaida-Terrorismus finden. Von alldem ist die Region aber noch weit entfernt. Darum muss jetzt rasch gehandelt werden, damit die Sahelzone keine "failed area" wird.

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Erstellt am 03.04.2012