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Politik
09/12/2012

Die Odyssee der kleinen Franca

Bachwasser, Erde und Wurzeln als Wegzehrung: Das fünfjährige Mädchen erstaunt alle mit ihrem großen Mut.

von Brigitta Luchscheider

Euphorisch und unbeschreiblich sei dieses Gefühl, sagte die Malerin Helga Druml, 40, aus Nötsch im Gailtal am Mittwoch: Die Frau konnte, wie berichtet, ihre vermisste Tochter nach mehr als 24 Stunden verzweifelter Suche wieder unversehrt in die Arme schließen. Franca war allein kilometerweit Richtung Elternhaus marschiert, bis sie Dienstagabend von zwei Radfahrern am Gailtal-Radweg entdeckt wurde.

Die Fünfjährige war bei einem Spaziergang mit ihrem Opa, 78, Montagnachmittag in der Nähe eines Fischteichs bei Schloss Wasserleonburg in Nötsch am Fuße des Dobratsch plötzlich verschwunden. Daraufhin wurde eine der größten Suchaktionen Kärntens eingeleitet. Doch erst die Kleine selbst löste das Rätsel um ihr Verschwinden.

"Sie ist gesund und auch nicht traumatisiert", berichtete ihre Mutter Mittwochvormittag. "Doch über die Nacht, die sie allein verbracht hat, will sie noch nicht sprechen." Dafür erzählte Franca, sie habe nach Hause gehen wollen, als sie den Opa nicht mehr sah. "Da ist sie falsch abgebogen, hinauf auf den sogenannten Dobratschweg", bestätigte Helga Druml.

Ganz nahe

Die Kleine marschierte tapfer weiter, fast bis an die Baumgrenze. Dann überquerte sie ein steiles, mit Felsen durchsetztes, ausgetrocknetes Bachbett. Zu dieser Zeit war die Künstlerin ihrem Mädchen ganz nahe: "Ich war gegen 1 Uhr nachts mit einer Rettungshundeführerin unterwegs. Wir haben bei diesem Bachbett umgedreht, weil die Hundeführerin meinte, so ein kleines Mädchen schaffe die Überquerung nicht."

Doch Franca schaffte es: "Ich hab’ Hunde buddeln gehört und gedacht, es ist meine Chica (der Familienhund, Anm.) , die nach mir sucht." Auch den Hubschrauber habe sie gehört: "Aber ich hab’ keine Angst gehabt."

Mutter Helga Druml kann den Mut ihrer Tochter noch immer nicht fassen: "Ihr Verhalten ist für mich ein Phänomen, zumal sie ja ein sehr behütetes Kind ist. Ich dachte mir nicht, dass sie so etwas durchsteht."

Doch Franca wusste sich auch gegen Hunger und Durst zu helfen: Sie trank das Wasser aus Bächen, obwohl es "grauslich" schmeckte, aß Erde und kaute an Wurzeln.

Bis zu zehn Kilometer dürfte die Kleine zurückgelegt haben, bevor sie zum Radweg gelangte. Dort zog sie Hose und Schuhe aus, weil sie sich "schmutzig" gemacht hatte und "das mag ich nicht". Die Kleider ließ sie liegen, was bei deren Auffinden bei den Einsatzkräften Alarmstimmung bewirkte. 45 Minuten später kam die erlösende Meldung: Franca ist gefunden.

Instinkt

Die Malerin bedankte sich aus tiefsten Herzen bei allen Helfern und Freunden: "Eine Frau hat mir gesagt: Kinder haben noch ganz andere Instinkte, Franca schafft das schon."

Tatsächlich saß das Mädchen kurz nach ihrem Auffinden zufrieden auf dem Schoß einer Polizistin und meinte: "Ich bin ja so glücklich."

Als Mittwochvormittag jedoch jener Moment zur Sprache kam, als sie ihren Opa nicht mehr sah, brach sie verstört in Tränen aus

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