Politik 05.12.2011

"Die katholische Kirche braucht wie jede Institution Reformen"

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Nachgefragt: Michael Spindelegger über den Zustand der katholischen Kirche

KURIER: Ihr Parteikollege Herbert Kohlmaier hat sinngemäß von einer vatikanischen Diktatur gesprochen. Papst Benedikt XVI. sei völlig überfordert, Reformen umzusetzen. Hat der ehemalige VP-Volksanwalt recht?
Michael Spindelegger:
Ich würde das nicht so drastisch formulieren. Über die hierarchischen Strukturen kann man geteilter Meinung sein. Für mich aber ist entscheidend, ob der Funke des Glaubens überspringt.

Braucht die katholische Kirche Reformen?

Sie braucht wie jede Institution Reformen. Ich als Katholik habe meine eigenen Vorstellungen davon, aber nicht als Außenminister oder ÖVP-Obmann. Und darum füge ich mich in das, was ich in der Kirche bin - ein einfaches Mitglied.

Aber sind Sie zufrieden mit dem Zustand der katholischen Kirche?
Ich habe nicht gesagt, dass ich zufrieden bin. Aber wenn ich als Politiker sagen würde, ich stelle mir bestimmte Dinge so oder so vor, würde ich ja den Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche verletzen. Das will ich nicht.

Was halten Sie von der Pfarrer-Initiative, die ja offen zum Ungehorsam aufruft?
Die Dinge, die angesprochen werden (Zölibat, Frauen, etc.), kann unser Kardinal Schönborn nicht alleine lösen. Das sind Probleme, die die gesamte Kirche betreffen. Ich glaube aber,
Kardinal Schönborn ist in der Lage, diese Kritik in die richtigen Bahnen zu lenken. Da braucht es freilich Bereitschaft von beiden Seiten, aufeinanderzuzugehen.

Verliert die Kirche an gesellschaftlicher Relevanz?
Ich glaube, es gibt keine Existenzbedrohung, aber was betroffen macht, ist die steigende Zahl der Kirchenaustritte.

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Erstellt am 05.12.2011