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Politik
03/01/2012

„Die Jungen wollen von den Klischees wegkommen“

Inan Türkmen, 24, schrieb das Buch „Wir kommen“.

Die Türkei hat negative Seiten, das weiß man ja“, sagt Inan Türkmen, 24. Er wolle die positiven zeigen. Mit seinem Buch „Wir kommen“ antwortet der in Österreich geborene Wirtschaftsstudent, Sohn eines Kurden, Thilo Sarrazin: „Wir sind stärker“.

KURIER: Ist der Titel Ihres Buchs eine Drohung oder selbstbewusste Provokation eines jungen Anti-Sarrazin?
Inan Türkmen:
Letzteres schon eher. „Wir kommen“ meint, dass die Türkei wirtschaftlich im Kommen ist, und auch, dass es viele Gute unter uns jungen Türken hier in Österreich gibt.

Die Wirtschaft in der Türkei boomt. Liest man Ihr Buch, hat man den Eindruck, Europa mit seinen Schuldenstaaten sei auf die Türkei angewiesen.
Es gibt sicher einige Länder in Europa, die von der Türkei profitieren, es aber ungern zugeben. Für Deutschland und Österreich ist die Türkei ein wichtiger Handelspartner.

Mit der Rot-Weiß-Rot-Card sollen Fachkräfte nach Österreich kommen. Spricht das die jungen Türken an?
Einer aus Istanbul wird sagen, „sucht euch jemand anderen“. Im ländlichen Osten, wo die Wirtschaft noch nicht so boomt, wird das aber sicher Leute ansprechen. Wir hätten aber auch in Österreich genug Potenzial, den Facharbeitermangel zu eliminieren. Ich kenne viele Jugendliche, die aus dem System rausfallen, die sicher gefördert werden wollen.

Wie schätzen Sie die Jungen ein? Sie studieren ja, haben es geschafft.
Noch nicht, ich hab ja noch keinen Abschluss ( lacht ). In meinem Umfeld gibt es sechs Akademiker. Es tut sich was. Aber in der zweiten, vor allem dritten Generation gibt es auch großen Nachholbedarf. Viele Jugendliche brechen die Schule ab. Hier muss man ansetzen.

Immer mehr Jungakademiker wandern in die Türkei aus. Warum?

In der Türkei ist man hoch angesehen, wenn man in Europa studiert hat. In Deutschland sind bereits viele gegangen. Das könnte auch in Österreich ein Problem werden. Die Unternehmen sollten die Jungakademiker, die ja beide Kulturen kennen, umwerben. Man muss den Jungen das Gefühl geben, dass man sie braucht.

Dönerläden, türkische Händler gibt es in Wien an jeder Ecke. Was ist mit dem Unternehmertum der Jungen?

In der Nähe von Linz ist der Dönerladen meines Freundes mit Steinen beschossen worden. Mittlerweile macht er mehr Umsatz als jedes Lokal dort. Aber das ist vor allem die erste Generation. Kein 22-Jähriger will eine Dönerbude eröffnen – die Jungen versuchen, von den Klischees wegzukommen. Freunde von mir führen zum Beispiel ein Modegeschäft.Die Jungen lernen aus den Fehlern der ersten Generation, entwickeln Businesspläne, informieren sich.

Sie sagen, die jungen Türken seien stärker, hungriger nach Arbeit. Wie kommen Sie darauf?
Wenn du in der Türkei aufwächst, musst du richtig hart kämpfen. Die jungen Türken lernen sehr schnell, treiben die Wirtschaft, die Demokratisierung voran. Die jungen Türken hier sind ebenfalls stärker: Wenn du mit 12, 13 Jahren ständig „Scheisstürke“ hörst, formt das den Charakter. Mich haben Wahlplakate motiviert, zu sagen: „Euch zeig ich’s, auch ein Türke kann was erreichen.“

Ihre Ziele?
Ich würde sehr gern für ein Unternehmen in Österreich arbeiten, das zwischen beiden Ländern agiert.

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