Politik
10.01.2012

Deutlicher Rückgang bei Kirchenaustritten

Laut Statistik verließen im Jahr 2011 58.603 Österreicher die katholische Kirche.

Die Zahl der Kirchenaustritte ist in Österreich 2011 im Vergleich zum Vorjahr stark zurückgegangen. 2011 verließen 58.603 Personen die katholische Kirche – das bedeutet einen deutlichen Rückgang um knapp 32 Prozent gegenüber 2010 (85.960). Damals hatte die Zahl der Austritte nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle einen historischen Höchststand erreicht.

Daten

Mit Stichtag 31. Dezember 2011 lebten in Österreich 5,41 Millionen Katholiken, in der Erzdiözese Wien waren es 1,27 Millionen. Kardinal Christoph Schönborn wollte au f KURIER-Anfrage die aktuelle Statistik nicht kommentieren. „Das Vertrauen in die römisch-katholische Kirche ist nach den Missbrauchsfällen wieder gewachsen, es ist einiges wieder gutgemacht worden“, sagt Paul Wuthe, Medienreferent der Österreichischen Bischofskonferenz, zum KURIER. Ein Grund dafür sei in den klaren Worten und konkreten Maßnahmen der Bischofskonferenz zu sehen.

Also wieder alles eitel Wonne in der Kirche? „Überhaupt nicht, das wäre total verfehlt. Die Zahl der Austritte ist nach wie vor hoch. Bei vielen Menschen ist die Enttäuschung geblieben.“ Nach den Turbulenzen 2010 infolge der Missbrauchs-Fälle wurde die katholische Kirche voriges Jahr von der Pfarrer-Initiative auf Trapp gehalten, deren „Aufruf zum Ungehorsam“ in der Amtskirche jedoch auf verständnislose Ohren stieß. Ob das die Zahl der Kirchenaustritte verstärkt habe? Wuthe: „Das wäre Kaffeesudlesen. Für einige Menschen ist es immer irritierend, wenn in der Kirche gestritten wird. Für viele andere ist es Ausdruck von Lebendigkeit.“

Eintritte

Eine „Glaubensinitiative“ für 2012 sei nicht geplant, so Wuthe. Man werde aber in den einzelnen Diözesen wieder verstärkt auf Ausgetretene zugehen. In der Erzdiözese Wien freut man sich darüber, dass im vorigen Jahr 988 Personen wieder in die katholische Kirche eingetreten sind. Gleichzeitig bereitet der schüttere Messbesuch Sorgen. Licht und Schatten sieht auch die Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak in den aktuellen Daten. So gebe es einen stabilen Kern engagierter Menschen in der Kirche und eine im Europavergleich noch immer unglaublich hohe Zahl an Katholiken. Polak: „Österreich gehört nach wie vor zu jenen Ländern, in denen es eine starke konfessionelle Prägung gibt.“

Umbruch

Gleichzeitig sei ein Erosionsprozess voll im Gange: Die katholische Kirche werde quantitativ kontinuierlich kleiner. Dieser Trend sei eindeutig, eine „Schubumkehr“ nicht absehbar. Die grundsätzliche Austrittsbereitschaft sei hoch, so Polak, es brauche nur wieder eine Krise – und die nächste große Austrittswelle sei vorprogrammiert.