Desaster von Katrina oder: Bushs Sündefall

Hurrikan Katrina überflutete 80 Prozent von New Orleans
Foto: AP/DAVID J. PHILLIP

Viele Menschenleben hätten gerettet werden können, lautet der Vorwurf.

Wie man als Präsident im Katastrophenfall möglichst nicht agieren sollte, hat der frühere US-Präsident George Bush vorgemacht: Bis heute hat ihm die Mehrheit der Amerikaner seine Nachlässigkeit rund um den Hurrikan "Katrina" nicht verziehen. Viele Menschenleben hätten gerettet werden können, so ihr Vorwurf. Besonders bitter aber empfand man, dass der Präsident Tage nach dem Unwetter im sicheren Helikopter (siehe Bild) über New Orleans flog, ohne im Katastrophengebiet zu landen und den Überlebenden Trost auszusprechen. Zu diesem Zeitpunkt waren Hunderte Menschen bereits tagelang auf den Dächern ihrer überfluteten Häuser gesessen und hatten vergeblich auf Rettung gewartet. Alle Zufahrtswege waren abgeschnitten, in den Fluten trieben Leichen.

Hurrikane Katrina und seine Folgen gelten als die größte Naturkatastrophe in der jüngeren Geschichte der USA: Über 1800 Menschen kamen Ende August 2005 ums Leben. Das schwer verwüstete New Orleans, das vor der Katastrophe 450.000 Einwohner zählte, hat heute nur noch 273.000 Bewohner, ganze Stadtviertel blieben dauerhaft verwüstet. Die Schäden in insgesamt fünf Bundesstaaten beliefen sich auf rund 125 Milliarden Dollar. Die eigentliche Katastrophe waren nicht der Sturm oder die meterhohen Flutwellen, die auf die Stadt prallten, sondern die altersschwachen Dämme rund um die beliebte Touristenstadt: 53 Dämme brachen und setzten die Stadt zu 80 Prozent unter Wasser. Stellenweise standen die Fluten bis zu acht Meter hoch. Tausende Menschen, die sich nicht rechtzeitig hatten retten können, flohen in New Orleans' Sportstadion Superdome, wo sie tagelang ohne ausreichende Versorgung und unter unhaltbaren hygienischen Bedingungen aushalten mussten.

"Alles im Griff"

Hurrikan Katrina überflutete 80 Prozent von New Orleans Foto: AP/DAVID J. PHILLIP Hurrikan Katrina überflutete 80 Prozent von New Orleans

Geradezu zynisch hörte sich da Präsident Bushs Erklärung an, die Regierung habe die Lage im Griff. Anders als er zunächst behauptet hatte, war Bush von den Vertretern des Katastrophenschutzes sehr wohl über das drohende Ausmaß des Horror-Hurrikans gewarnt worden. Man fürchtete, die Zahl der Rettungskräfte könnte nicht ausreichen, um den vielen Fliehenden zu helfen. Doch Bush wiegelte ab: Die Regierung sei bestens auf die Zeit während des Sturm und danach vorbereitet.

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(KURIER) Erstellt am
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