Politik
04.01.2012

Der Kandidat, der nicht alle Wünsche erfüllt

Die Konservativen mögen Romney nicht, aber nur er hat Chancen gegen Obama.

Eine hauchdünne Mehrheit von acht Stimmen ist nicht gerade das, was einen strahlenden Sieg ausmacht. Dennoch geht Ex-Gouverneur Mitt Romney, der sich bei der Vorwahl in Iowa knappest an die Spitze setzte, als Favorit in den weiteren Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Anders als sein ultra-konservativer Überraschungsgegner Rick Santorum verfügt Romney über eine prall gefüllte Wahlkampfkasse und eine durchchoreografierte Strategie. Schon bei den nächsten Vorwahlen in weniger gottesfürchtigen Bundesstaaten, wie Iowa es ist, wird es Romney leichter haben, seinen erzkatholischen Gegner abzuschütteln.

Doch das Ergebnis von Iowa zeigt auch: Amerikas konservative Wähler sind mit Romney nicht glücklich. Der vorbildhafte Familienmensch gilt vielen an der republikanischen Basis als zu liberal, gar als Wendehals und vor allem als Mitglied der „falschen Kirche“, denn er ist Mormone. Gepunktet hat Romney deshalb nur bei jenen, die den 65-jährigen Ex-Manager für den fähigsten Mann halten, US-Präsident Barack Obama bei der Wahl zu schlagen – und die deshalb über seine aus konservativer Sicht schweren Mängel hinwegsehen.

Verloren hat Romney hingegen bei jenen, die ihren idealen konservativen Kandidaten suchen. Dessen Profil entspräche eher einem Rick Santorum, einem bibelfesten Sechsfach-Vater, einem strammen Ultra-Konservativen, dem Schwulen-Ehe, Abtreibung, staatliche Krankenversicherung für alle und ein Verbot von Waffentragen eben- solch ein Graus sind wie der Gedanke an Steuererhöhungen oder strengere Klimaschutzgesetze. Doch mit Extremisten dieser Sorte sind Wahlen in den USA nicht zu gewinnen.

Die werden immer noch in der politischen Mitte entschieden – und dort hätte ein pragmatischer Wirtschafts konservativer der Marke Romney noch immer bessere Chancen als ein republikanischer Fundamentalist, der alle ultra-konservativen Stückerln spielt.

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