© Michael Fritthum

Politik
05/11/2012

Das Vermächtnis der Nora Gray

Eine Künstlerin spendete vor ihrem Tod dem Heim, in dem sie lebte, einen hohen Geldbetrag. Doch ihr Bruder nahm das Sparbuch an sich.

von Ricardo Peyerl

Wir lassen uns doch nicht auf den Kopf machen!" Lotte Tobisch, die Grande Dame der Wiener Gesellschaft, kriegt – wie sie sagt – "einen Schiachen" (für Nicht-Wiener: sie wird zornig) . Der Grund: Jemand will ihr bzw. dem Hilde-Wagener-Künstlerheim in Baden eine 32.000-Euro-Spende streitig machen. Frau Prof. Lotte Tobisch ist Präsidentin des Trägervereins "Künstler helfen Künstlern".

Die Affäre ist auch ein Fall für den "Bürgeranwalt" Peter Resetarits" im ORF: Die Dichterin und Malerin Nora Gray lebte bis zu ihrem Tod im Februar 2011 gute zehn Jahre in dem Seniorenheim für Künstler und wurde dort liebevoll betreut. "Sie wurde wie in einer Familie aufgenommen", erinnert sich Lotte Tobisch: "Auch Cissy Kraner ist bei uns friedlich eingeschlafen (sie starb am 1. Februar dieses Jahres, Anm.) ."

Vor ihrem Tod übergab Nora Gray der Heimleiterin Christa Willander und Lotte Tobisch ein Sparbuch mit 32.000 Euro zur freien Verwendung für die Erhaltung des Heimes, in dem sie sich so wohlfühlte. "Wir haben ja immer Zores mit dem Geld", sagt Tobisch zum KURIER, "und damals hätten wir einen neuen Lift gebraucht. Wir hätten das Geld gleich dafür verwenden können, aber das macht man nicht. Aus Anstand wollten wir etwas Zeit vergehen lassen." Das Sparbuch wurde in den Tresor gelegt.

Inzwischen war der Bruder von Nora Gray auf den Plan getreten, mit dem die alte Dame schon längst keinen Kontakt mehr hatte. Nach deren Tod erbte er ihr beträchtliches Vermögen.

Formalfehler

Bald darauf meldete sich bei der Heimleitung ein Notar, fragte nach weiterem Besitz der Verstorbenen und ließ sich das Sparbuch übermitteln. Die Heimleitung war der Ansicht, er sei der offizielle Nachlassverwalter, und überließ ihm das Sparbuch "zu treuen Handen".

Lotte Tobisch: "Wir sind ja keine Juristen, wir haben die Begriffe verwechselt, ein Formalfehler." Der Notar, der in Wahrheit kein Treuhänder, sondern der juristische Machthaber des Erben ist, händigte dem Bruder das Sparbuch umgehend aus.

Lotte Tobisch ist empört: "Wir sind ja keine Erbschleicher. Frau Gray war steinreich, hatte ein sehr großes Vermögen, wir hätten das ja anders machen können. Aber der Bruder hat sich das unter den Nagel gerissen, was sie uns zu Lebzeiten geschenkt hat."

Schreiben an den Bruder blieben unbeantwortet, und das ärgert Lotte Tobisch erst so richtig: "Man wackelt wenigstens mit den Ohren. Der soll nicht glauben, nur weil man im Altersheim lebt, ist man ein Trottel."

Mit Unterstützung ihres Rechtsfreundes Prof. Nikolaus Lehner (Kanzlei Lehner&Lehner) versucht Lotte Tobisch nun, doch noch zu der zugedachten Spende für das Künstlerheim zu kommen.

Lehner: "Im Hinblick auf die mangelnde Aufklärung von dem Notar bezüglich des Unterschiedes Erbenmachthaber und Gerichtskommissar wurde der Verein getäuscht und zu einer Handlung veranlasst, indem er das Sparbuch dem Notar übermittelte, was er sonst nie gemacht hätte."

Bürgeranwalt, Samstag, 17.30 Uhr, ORF 2

 

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