Politik
01.04.2012

Das Kind online beim Namen nennen

Sarah oder Philomena? Lukas oder Alois? Modename oder Traditionelles? Eine neue Onlineplattform erleichtert die Suche nach dem perfekten Baby-Namen.

Die Geschichte von Nameling beginnt, als Folke Mitzlaff erfährt, dass er Vaterfreuden entgegensieht. "Wir fanden den Namen Emma gut. Aber im Kindergarten laufen gerade nur Emmas herum. Also haben wir einen Namen gesucht, der wie Emma ist", erzählt der Informatiker an der Uni Kassel. Beim Blick in Namensbücher sei er nach dem Buchstaben C eingeschlafen. Auch Statistiken halfen den werdenden Eltern kaum. Und so entstand die Idee für ein Vornamen-Online-Portal, die auf wissenschaftlichen Kriterien basiert.

"Welcher Name ist so ähnlich wie ...?" oder "Welcher passt am besten zu ...?", das waren die Fragen, die die Internetseite beantworten sollte. Die Nutzer können einen beliebigen Vornamen eingeben und erhalten eine Liste von Namen, die mit dem angegebenen in enger Beziehung stehen. Mitzlaffs Chef, der Informatikprofessor Gerd Stumme, erklärt: "Wir haben alle Texte der Wikipedia in die einzelnen Sätze zerlegt, und dann für jeden Namen gezählt, in wie vielen Sätzen er mit jedem anderen Namen gemeinsam vorkommt. Dies ergibt das Namensumfeld. Zwei Namen werden im "Nameling" als ähnlich betrachtet, wenn auch ihre Namensumfelder ähnlich sind."

Jeder Name erscheint also in einem bestimmten kulturellen und gesellschaftlichen Kontext. Wer zum Beispiel Paula eingibt, erhält andere beliebte Vornamen aus der Großeltern-Generation wie Ida, Martha oder Elsa. Wer dagegen nach Kevin sucht, dem wird Englisches wie Danny, Jason oder Steven angeboten. Stumme: "Und wer typisch Österreichisches wie Sepp eingibt, erhält als ähnlichsten Name Alois."

Twitter-Trends

Exakt 43.205 Namen findet man bereits in der Datenbank. Um aktuelle Trends zu erfassen, wurde auch das soziale Netzwerk Twitter als Datengrundlage miteinbezogen. Weiters können die Nutzer ihre Lieblingsnamen nicht nur als Favoriten speichern, sondern sie auch via Facebook mit Partner, Freunden und Verwandten teilen. Stumme denkt noch weiter: "Jeder kennt die Verkaufsempfehlungen bei Online-Händlern, etwa: 84 Prozent der Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch jenes." Bei "Nameling" hieße es dann: "84 Prozent der Nutzer, denen Greta gefällt, gefällt auch Frieda."

Lokale Vorlieben

Stumme ist auch sicher, dass über die Verknüpfung mit Orten die Suchmaschine in Zukunft regionale Vorlieben erkennen wird. Irgendwann könnte es möglich sein, exakt herauszufinden, wie die Eltern in der weiteren Nachbarschaft ihre Kinder am liebsten nennen. So könne man aktuelle Trends be- oder explizit missachten. Schließlich: Wer will schon, dass sein Kind später gehänselt wird? Denn in jüngster Zeit führten Berichte über soziale und wirtschaftliche Benachteiligung des Nachwuchses aufgrund ihres Vornamens (zugespitzt als "Kevinismus" und "Chantalismus" bezeichnet) zur Verunsicherung der Eltern. Es gibt sogar Foren im Internet, wo man sich über Namensanzeigen lustig macht, berichten die Forscher der Uni Kassel.

Informatiker Folke Mitzlaff hat dank "Nameling" jedenfalls mittlerweile einen Namen für sein zweites, dieser Tage geborenes Kind gefunden. Verraten wollte er ihn aber noch nicht. Vielleicht wird sie ja Alice, Jenny oder Martha heißen. Warum? Schauen Sie auf nameling.net nach, und geben Sie "Emma" ein.