Politik
19.12.2011

Chemiewaffen, Raketen, Atomsprengstoff

Bis an die Zähne gerüstet – Die viertgrößte Armee der Welt hat ein hochgefährliches Waffenarsenal

Die Hiroshima-Bombe oder mehr – oder doch nur ein halb missglückter Versuch einer nuklearen Kettenreaktion? Bis heute, mehr als zwei Jahre danach, sind sich die Experten nicht über das tatsächliche Ausmaß des zweiten Atomtests Nordkoreas einig. Tatsache ist nur, die bettelarme Steinzeit-Diktatur hat ihr wohl ehrgeizigstes Forschungsprogramm konsequent vorangetrieben – seit man 2006 zum ersten Mal eine nukleare Kettenreaktion in Gang gesetzt hat.

Laut dem Internationalen Institut für Strategische Studien in London (IISS), dem renommierten ThinkTank für militärische Fragen, verfügt das Regime über waffenfähiges Plutonium für bis zu zehn Atombomben. Unklar ist vorerst, ob man es bereits geschafft hat, einen Atomsprengkopf zu bauen, der auf einer Rakete montiert werden kann.

Denn davon hat Nordkorea mehr als genug. Die Diktatur besitzt mit etwa 1000 Flugkörpern eines der weltweit größten Arsenale von Kurz- und Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 4000 Kilometern. Damit sind ganz Japan und einige US-Basen im Pazifik in Reichweite. Während man bei der Herstellung und dem Test von Interkontinental-Raketen (Typ Taepodong) immer wieder auf Schwierigkeiten stieß, hat man simpler konstruierte Modelle inzwischen erfolgreich aufgerüstet und getestet. Mehrere Hundert dieser Rodong-Raketen sind einsatzbereit.

 

Raketen

Diese Raketen sind auch seit Jahrzehnten der größte Exportschlager des Landes. Seit Anfang der Neunzigerjahre hat man Staaten wie Pakistan, den Iran, aber auch viele Staaten des arabischen Raums beliefert. Syrien etwa ist ein verlässlicher Abnehmer. Die sozialistische Diktatur hat sich nicht nur Raketen-, sondern auch Nukleartechnologie aus Nordkorea besorgt. Die von Israel 2007 bombardierte, geheime Atomanlage war mit Hilfe nordkoreanischer Experten errichtet worden.

Mit Syrien und dem Iran, so die Analyse der IISS-Experten, betreibt man Kooperationsprogramme zum Bau und zur Weiterentwicklung von Raketen.

Für diese Raketen hält man nicht nur Atomsprengstoff, sondern auch andere todbringende Ladungen bereit. Das drittgrößte Arsenal von Chemiewaffen der Welt ruht – ungeachtet internationaler Verbote – in Nordkorea. Auch bakterielle Waffen sollen in großer Menge produziert worden sein.

Ob Spezialeinheiten der Armee auf deren Einsatz trainiert sind, ist unklar. Sicher aber ist, dass diese Truppenteile – im Gegensatz zum weitverbreiteten Klischee – über alle Arten modernster Waffen verfügen.