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Politik
09/11/2012

Buch nimmt Strache ins Visier

Der antisemitische Cartoon regt weiter auf. Und ein neues Buch über Strache listet Verbindungen zur rechten Szene auf.

Davidsterne als Manschettenknöpfe. Die "jüdische" Hakennase. Die antisemitische Karikatur, die Heinz-Christian Strache im August im Sozial-Netzwerk Facebook gepostet hatte, sorgt weiter für Empörung. Am Sonntag hatte Präsident Heinz Fischer die Karikatur verurteilt: der " Tiefpunkt politischer Kultur", der Verachtung verdiene.

Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch hat eine Umfrage unter FPÖ-Lokalpolitikern gestartet und dabei drei gefunden, die den Cartoon verurteilen.

Die Reaktion der FPÖ: Zu Fischer ließ Generalsekretär Harald Vilimsky am Montag wissen, dieser agiere "unglaubwürdig und parteipolitisch" motiviert. Strache sei mit "keiner Faser" antisemitisch. Als Antwort auf SOS Mitmensch gab es ein schales Dementi eines FP-Bürgermeisters. Die FPÖ hat die Karikatur zwar schnell durch das Original ersetzt – die verfremdete Variante wurde per Screenshot aber dokumentiert. Das Original ist ein US-Cartoon aus den 60er-Jahren. Das antisemitische Stereotyp Hakennase und die Manschettenknöpfe wurden nachträglich eingefügt; Strache beteuert, er habe die Version nur verlinkt.

Treffer

Mitten in dieser Debatte schafft das neue Buch von Hans-Henning Scharsach quasi eine Punktlandung: Der Ex-Leiter der KURIER-Außenpolitik stellte gestern Abend sein Werk "Strache" vor: Ein Sammelband über die Schnittmenge der FP-Politik mit rechtsextremen Inhalten; ein Buch über die Berührungspunkte der FP und der Neonazi-Szene. Name für Name, Fall für Fall: Die Mitgliedschaft des steirischen FP-Chefs Gerhard Kurzmann im Waffen-SS-Traditionsverband. Die Verflechtungen zwischen dem Ring freiheitlicher Jugend und dem rechtsextremen Bund freier Jugend in Oberösterreich. Und viele mehr.

Scharsach legt ein quasi-lexikalisches Werk über Strache vor: Er beschreibt, in welchem Umfeld er sich als junger Mann bewegt hat, als er im Haus von Schwiegervater und Nazi-Größe Norbert Burger ein- und ausging.

Er schreibt über Straches Besuch bei einer Wehrsport-Übung von Gottfried Küssel; über die "Paintball"-Spiele, die Festnahme nach einer Aktion der später verbotenen Wiking-Jugend. Und er beschreibt den Wandel der FPÖ: Während Haider auf die unideologische "Buberlpartie" gesetzt habe, habe es unter Strache die Kehrtwende zur "Burschenpartie" gegeben: die Rückkehr der stramm-rechten Ideologen.

Antisemitismus: Deutsch rügt Regierung und EU

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, bestätigt dem KURIER "einen signifikanten Anstieg antisemitischer Vorfälle in Österreich". Häufig seien davon orthodoxe Juden betroffen. Sämtliche Angriffe werden der IKG gemeldet. "Wir raten den Betroffenen, diese Übergriffe auch bei der Polizei anzuzeigen. Das kann nicht sein, dass Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit bei uns zunehmen", sagt Deutsch.

Um diese Vorfälle zu bekämpfen, erwartet sich der IKG-Präsident "von der gesamtem österreichischen Bundesregierung, vom Bundeskanzler bis zur Innenministerin, dass sie ganz klar Stellung gegen Antisemitismus beziehen".

Lob gibt es für Bundespräsident Fischer, der am Sonntag die Veröffentlichung eines antisemitischen Cartoons durch FPÖ-Chef Strache verurteilte.

Auch die EU müsste viel aktiver gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit vorgehen, fordert Deutsch. Von der in Wien ansässigen EU-Grundrechte-Agentur "hört man nichts", kritisiert er. "Dabei handelt es sich um ein gesamteuropäisches Problem. Antisemitismus nimmt in allen Ländern zu."

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