Politik
09.03.2012

Britische Geiselbefreiung endet im Desaster

In Nigeria wurden ein Italiener und ein Brite ermordet. Rom beklagt mangelnde Absprache und Information.

Stundenlange Feuergefechte waren am Donnerstagnachmittag in der Stadt Sokoto, im Nordwesten Nigerias, zu hören. Die Entführer zweier Ausländer leisteten erbitterten Widerstand, als ein britisches Sonderkommando die Geiseln befreien wollte. Und so endete die Operation im Desaster.

Zwar konnten die rund zwei Dutzend Spezialkräfte des „Special Boat Squadron“ und der Royal Marines letztlich die Oberhand gewinnen, doch zu diesem Zeitpunkt waren der Italiener Franco Lamolinara, 47, und der Brite Chris McManus, 28, schon tot. Ob sie von den Entführern ermordet wurden oder im Kreuzfeuer starben, war zunächst unklar.

Rom reagierte verärgert auf die missglückte Befreiungsaktion und beklagte mangelnde Kooperation. Vor allem die Tatsache, dass Premier Monti erst informiert wurde, als die Operation bereits in vollem Gange war, sorgt in Italien für Unmut. Der britische Premier Cameron rechtfertigte die Vorgangsweise damit, dass sich spontan eine Möglichkeit des Zugriffs aufgetan habe. Konkret soll am Dienstag ein Mitglied der islamistischen Sekte Boko Haram festgenommen worden sein. Dieses habe den entscheidenden Hinweis geliefert.

„El Kaida südlich der Sahel“

Die Männer waren im Mai 2011 verschleppt worden. Im Dezember tauchte ein Video auf, in dem sich eine bisher unbekannte Gruppe namens „El Kaida im Land südlich der Sahel“ zu dem Kidnapping bekannte. Nigerianische Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass es sich möglicherweise um eine Unterorganisation von Boko Haram handelt. Boko Haram (die wörtliche Übersetzung lautet „Westliche Erziehung ist Sünde“) verübt seit 2009 immer wieder Anschläge auf Regierungseinrichtungen und christliche Kirchen. Entführungen gehörten bisher aber nicht zum Repertoire der Extremisten. Sehr wohl aber zu jenem der Terrorgruppe „El Kaida im Islamischen Maghreb“ (Aqim). Experten gehen davon aus, dass Aqim Aktivisten von Boko Haram in Algerien geschult hat – in Kidnapping, aber auch in Selbstmord-Attentaten.

Der getötete Italiener war viele Jahre in Afrika tätig, kehrte aber vor zehn Jahren in seine Heimat zurück, um danach bei der in Nigeria ansässigen Baufirma Stabilini Visinoni anzuheuern, für die auch McManus arbeitete. Besonders tragisch: Lamolinara, der Frau und zwei Kinder (18 und 16 Jahre alt) hinterlässt, wurde an jenem Tag entführt, an dem sein befristeter Vertrag ablief.