Politik 27.03.2012

Bettler müssen Papst weichen

© Bild: dapd Esteban Felix

Benedikt XVI. begann seinen vielbeachteten Besuch in Kuba. Die Hoffnungen sind groß, die Vorfreude aber nicht ungetrübt.

Große Erwartungen – unter diesem Motto steht der dreitägige Besuch von Papst Benedikt XVI., der am Montag in Kuba ankam. Wenn der fast 85-Jährige in Santiago de Cuba und Havanna zwei Messen unter freiem Himmel feiert, kommen Hunderttausende. Die Visite wurde mit Spannung erwartet, nachdem der Pontifex zuvor schon Mexiko bereist hatte und im vom Drogenkrieg erschütterten Land erwartungsgemäß gegen Gewalt auftrat. Doch welche Themen der Papst im kommunistischen Kuba ansprechen werde, war Gegenstand aufgeregter Spekulation. Einen ersten Vorgeschmack lieferte das Kirchenoberhaupt schon im Flieger: Das marxistische Modell der Karibikinsel sei nicht mehr zeitgemäß, in Kuba müsse ein neues Gesellschaftsmodell gefunden werden. Die Regierung in Havanna reagierte gemäßigt – zu einem Eklat wollte man es im Vorfeld der Touristen anziehenden Visite nicht kommen lassen. Man begrüße allerdings den "Austausch von Ideen".

Unterbunden

So zurückhaltend gehen die kubanischen Behörden nicht mit den Unliebsamen im eigenen Land um. Auch kurz vor der Ankunft des Papstes wurden wieder Dutzende Oppositionelle verhaftet. Der frühere politische Häftling Jose Daniel Ferrer sagte, die kubanische Regierung wolle überall dort "totale Kontrolle", wo der Papst seinen Fuß hinsetzt. Und die Dissidenten wissen, dass die Augen der Welt für kurze Zeit auf ihre Insel gerichtet sind – eine Chance, die so bald nicht wiederkommt.

Kritik

Zweifelsfrei wird die Visite ein Spektakel, das in Kuba seinesgleichen sucht. Trotz der Vorfreude nehmen die Kubaner den Besuch nicht ohne Kritik hin: Er koste ein Vermögen, während viele nichts zu essen hätten. Laut der geduldeten kubanischen Menschenrechtsorganisation CCDHRN sind zudem an die 100 Bettler festgenommen worden, um sie zu verbergen. Und die Straßen und Fassaden würden nur entlang der päpstlichen Reiseroute saniert, während in anderen Stadtteilen Havannas die Häuser zusammenfielen, moniert das Web-Magazin Havanna Times.

Auch Benedikt selbst wird nicht nur bejubelt: Viele haben nicht vergessen, dass er in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation an Kuba und dem Marxismus heftige Kritik übte. Auch lasse er an Nähe zu den Gläubigen vermissen – im Gegensatz zu Johannes Paul II. Der historische Besuch von Benedikts Vorgänger 1998 ist im Gedächtnis geblieben. "Möge Kuba sich der Welt öffnen, damit sich die Welt Kuba öffnet" war die Botschaft, die damals das Verhältnis zwischen Kirche und Staat einrenkte. Dass auch Benedikt Schritte setzt, die in Kuba noch jahrzehntelang nachhallen, ist die Hoffnung der Gläubigen. Ein Treffen mit dem pensionierten Staatschef Fidel Castro könnte helfen, doch steht es nicht auf dem Reiseplan.

Erstellt am 27.03.2012