Politik 05.12.2011

Betroffene berichten

Zwei HIV-Infizierte erzählen, wie es zu der Infektion kam.

Es passierte im November 2009: Simon, damals 20, lernte in einem Lokal einen 35-jährigen Mann kennen. "Ich war unerfahren. Ich wollte bei ihm nur übernachten, weil es spät war und ich am Rande der Stadt gewohnt habe." Der 35-Jährige sah das anders, es kam zu Sex - für Simon zum ersten Mal: "Ich habe ihm noch gesagt, er soll ein Kondom verwenden", sagt Simon im Gespräch mit dem KURIER.

Der 35-Jährige verwendete keines. "Mir hat er gesagt, dass er gesund ist - aber das stimmte nicht. Er wusste, dass er HIV-positiv ist - und er war ohne Therapie (die das Infektionsrisiko für den Partner deutlich senkt, Anm.)."

Im April 2010 ließ sich Simon auf das HI-Virus testen: positiv. "Für mich war das ein Schock." Anfang November 2011 wird der 35-Jährige zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt: wegen Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Er hat zumindest zwei junge Männer wissentlich mit dem HI-Virus infiziert.
"Für mich ist das alles furchtbar", sagt Simon: "Darüber hinaus habe ich durch mein Outing bereits einige Freunde und auch schon einen Job verloren. Ich muss mit ständiger Diskriminierung leben, aber ich gebe nicht auf. "

In der Ehe infiziert

Diskriminierung begleitete auch Wiltrut Stefanek, 41. 1996 erfuhr sie, dass sie HIV-positiv ist. Angesteckt vom Ehemann, mit dem sie damals zehn Jahre zusammen war und ein Kind hatte. "Für mich brach eine Welt zusammen. Er wusste seit 1986 von seiner Infektion. Er hätte mit einem einzigen Satz meine Ansteckung verhindern können. Ich habe ihm vertraut und zahle heute noch für die Lügen."

Nach Schock und Wut habe sie letztendlich beschlossen, für ihre Zukunft zu kämpfen. Sie verließ ihren Mann, gründete den Verein PULS H IV - und fand einen neuen Partner. "Er
hatte es anfangs sicher nicht leicht, aber wir haben es gemeinsam geschafft und sind schon 13 Jahre zusammen. Trotz aller Widerstände haben wir an unserer Beziehung festgehalten. Heute akzeptiert unser Umfeld, dass wir trotz meiner Infektion ein Paar sind."

Ein Beispiel, dass HIV und Aids durch die Therapien ihren Schrecken verloren haben, will sie keinesfalls sein. "Vor allem junge Menschen müssen wir informieren. Keiner sieht die alltäglichen Nebenwirkungen im Leben mit HIV. Die Mehrheit meidet ein offenes Leben aus Angst vor Ausgrenzung."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011