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Politik
12/05/2011

Berliner Metamorphosen

Die Hauptstadt ist wieder Labor der Linken - nicht zu deren Nachteil.

von Reinhard Frauscher

Berlin ist (verglichen mit anderen sozialdemokratisch regierten Städten wie Wien oder München) seit vielen Jahrzehnten schlecht regiert, auch unter Berücksichtigung seiner historischen Hypotheken. Die Hauptstadt geriert sich kosmopolitisch und ist doch provinzieller als alle anderen. Aber mit ihrem Bevölkerungsaustausch (drei Viertel kamen seit dem Fall der Mauer) ist sie auch Biotop für Neues. Politische Trends zeigen sich vor allem im linken Spektrum.

Klaus Wowereit hat zum dritten Mal gewonnen, aber glanzloser als früher. SPD-Kanzlerkandidat wird er so nicht, auch wenn die anderen nicht einmal das schafften. Denn "arm, aber sexy" , wie "Wowi" seine Stadt sieht, wollen der Westen und Süden der Republik nicht werden.

Aufwind

Die Grünen sind an ihren Grenzen angelangt, in Berlin reichte es zum hohen Bundestrend dieses Fukushima-Jahres nicht mehr. Der Spagat der einst "außerparlamentarischen Linken" zwischen Protest und etablierter Partei, von subversiv zu linksbürgerlich, ist unglaubwürdig geworden. Sie strebt nun zu Zweitem, weil Ergiebigerem. Fukushima verhalf ihr noch in alle Landtage, doch der Frische-Nimbus ist weg, auch beim Personal. Diese Rolle, wenn auch unideologisch, spielen nun die Piraten. Ob auch außerhalb Berlins, ist offen.

Dafür hat die "Linke" ihre beste Zeit hinter sich.
Die kommunistischen Träumer an ihrer Spitze zerstören Oskar Lafontaines modernere, gesamtdeutsche Vision. Die Linke wird wieder zur Regionalpartei im Osten und altert dort mit ihren Mitgliedern.

Damit zeigt das "rote" Berlin wieder eine neue Metamorphose der Linken - wie deren anhaltende Zersplitterung. Wegen des bürgerlichen Trauerspiels der Merkel-Koalition ist sie trotzdem im stabilen Aufwärtstrend, der spätestens 2013 mit Rot-Grün einen SPD-Kanzler bringen wird - der aber nicht aus Berlin kommt.

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