Politik 04.04.2012

Bankomat ÖBB: Und keiner weiß was

Das Verfahren gegen Ostermayer und Faymann soll vor Ostern eingestellt werden. © Bild: APA HERBERT NEUBAUER

Für Medienkooperationen hat die ÖBB so viele Rechnungen gestellt bekommen, dass ein Ex-Manager den Überblick verloren hat.

Die Rechnungen sind nur so hereingetrudelt“, erinnert sich ein Ex-Manager der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) im KURIER-Gespräch. An einzelne Rechnungen für „Medienkooperationen“ könne er sich kaum erinnern, so viele Begehrlichkeiten habe es gegeben. Für die teils sündhaft teuren Rechnungen, die die ÖBB zu bezahlen hatten, sollen nicht selten Nichtbefugte verantwortlich gewesen sein – weshalb letztlich auch die Antikorruptionsermittler auf den Fahrplan gerufen wurden. Ermittelt wurde gegen Bundeskanzler Werner Faymann und dessen engsten Vertrauten Josef Ostermayer, die in ihrer Zeit im Verkehrsministerium (2007 bis 2008) die ÖBB dazu veranlasst haben sollen, Inserate in Faymann-freundlichen Medien zu schalten – berühmt geworden ist eine 500.000-Euro-Kooperation mit der Krone.

vormagazin

Die Ermittler interessierten auch zwei 16-seitige Inseratenstrecken im SPÖ-nahen vormagazin aus 2007. Diese Kampagne, in der unter anderem geplante Superbahnhöfe beworben wurden, kosteten die ÖBB insgesamt rund 110.000 Euro. Ein Angebot unterbreitet hatte das vormagazin vorab jedoch nicht den ÖBB, sondern dem Verkehrsministerium (BMVIT). Kurios: In seiner Zeugenaussage vom Februar 2012 (liegt dem KURIER vor) meinte der damals amtierende vormagazin-Geschäftsführer, er könne nicht erklären, wie der Auftrag von 2007 überhaupt zustande gekommen sei. Für ihn stelle sich aber die Frage, „warum hier ein Angebot an das BMVIT gestellt wurde und die Rechnung dann an die ÖBB adressiert bzw. von diesen auch bezahlt wurde.“ Der Ex-Chef führte auch an, dass wohl ein Herr Thomas Landgraf Ansprechpartner für Inseratenangelegenheiten im Faymann-Ministerium gewesen sei – was übrigens auch von einem ÖBB-Manager bestätigt wird.

Sieben bis acht vormagazin-Redakteure seien mit den speziellen Textgestaltungen betraut gewesen. Die Kripo hielt in einem Mail an die Staatsanwältin fest, die Befragung der Redakteure (woher Aufträge und Infos stammten) sei die „letzte Möglichkeit“, um Konkretes über die Inseraten-Causa rund um das vormagazin zu erfahren. Die letzte Möglichkeit blieb offenbar ungenutzt. Das Verfahren gegen Faymann/Ostermayer (beide haben stets alle Vorwürfe dementiert) soll vor Ostern eingestellt werden.

Übrigens: Ex-Faymann-Mitarbeiter Landgraf, der für den KURIER nicht erreichbar war, ist heute beim SP-nahen Echo Medienhaus tätig – unter dessen Dach auch das vormagazin beheimatet ist.

( Kurier ) Erstellt am 04.04.2012