Politik
05.03.2012

Baby mit HIV infiziert: Mutter verurteilt

Weil sie ihr eigenes Baby mit HIV angesteckt haben soll, wurde einer Steirerin der Prozess gemacht - das Urteil: 14 Monate bedingt.

Bereits zum zweiten Mal stand die 41-Jährige wegen des selben Sachverhalts vor dem Richter - jetzt ist sie am Grazer Straflandesgericht verurteilt worden: Die Frau hatte - trotz der Vorbehalte der Ärzte - ihr Kind nicht per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und es entgegen den medizinischen Empfehlungen auch gestillt. Gemäß einem Gutachter wäre eine Ansteckung durch therapeutische Maßnahmen allerdings zu verhindern gewesen. Die Anklage lautete deshalb auf schwere Körperverletzung, Verbreitung einer übertragbaren Krankheit und Verleumdung. Das (nicht rechtskräftige) Urteil für die Steirerin: 14 Monate bedingte Haft.

Neuauflage

Die Mutter wurde bereits 2010 wegen schwerer Körperverletzung zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt, doch das Urteil wurde aufgehoben. Der Frau wurde damals wie auch jetzt wieder unter anderem vorgeworfen, die Hebamme bei der Hausgeburt gefährdet zu haben, weil sie ihr nichts von der HIV-Infektion gesagt hatte. "Sie ist auch heute wenig einsichtig und hat damals ganz bewusst die Hebamme nicht informiert, weil die dann nie die Geburt durchgeführt hätte", so Staatsanwalt Christian Kroschl. "Ich finde das diskriminierend, was der Herr Staatsanwalt sagt. Mich dauernd schlecht zu machen, finde ich einfach unmenschlich", empörte sich die Angeklagte.

Sorgerecht entzogen

Die Angeklagte erklärte zudem im Laufe des Prozesses, dass bei ihr bereits mit 18 Jahren HIV diagnostiziert wurde - sie leugnet allerdings nach wie vor die Existenz der Krankheit. Seitens der Behörden wurde ihr deshalb das Sorgerecht für das kleine Mädchen entzogen, bei dem die Krankheit bald nach der Geburt voll ausgebrochen ist. Mittlerweile soll es dem Kind einigermaßen gut gehen, der medizinische Sachverständige sprach zwar von einer "schweren Dauerfolge", trotzdem könne das Kind ein einigermaßen normales Leben führen, so der Gutachter. Ihre drei älteren Kinder leben wieder bei ihr, der Ehemann, der ebenfalls an Aids erkrankt war, ist im Mai 2010 gestorben.