Politik | Ausland
27.06.2017

Zeman: "Meine Witze sind manchmal fehl am Platz"

Alexander Van der Bellen bekam von Milos Zeman nicht nur harmlose Komplimente serviert.

Das Lob fürs Kettenrauchen, das war ihm doch ein wenig zu deftig. Also lächelte der Bundespräsident die Bemerkung seines tschechischen Amtskollegen –"was mich besonders freut ist, dass wir beide Kettenraucher sind" – etwas verlegen beiseite.

Milos Zeman empfing seinen österreichischen Gast auf der Prager Burg ganz nach seiner politisch unkorrekten Art. Gesundheitlich merklich angeschlagen wackelte der tschechische Staatschef unsicher an der Parade vor dem Veitsdom vorbei, wuchs aber, sobald er es sich in einem Fauteuil bequem machen konnte, umgehend wieder zu seiner unliebsam bekannten Form heran.

Keine Liebe zu den Grünen

Noch vor den Dutzenden Reportern begann Zeman das Gespräch mit einem Witz. Er habe schon beim letzten Mal in Wien vorgeschlagen, die österreichisch-ungarische Monarchie wieder herzustellen – allerdings ohne Ungarn. Mitten im Witzeln fiel dem Tschechen offenbar ein, dass sein Gast ja erst im Vorjahr Opfer seiner Bösartigkeiten geworden war. Zeman hatte da nicht nur mitten im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer zu sich auf die Prager Burg eingeladen, sondern sich auch offen für ihn und gegen Van der Bellen ausgesprochen – mit einer schmerzhaft deutlichen Begründung: "Ich mag die Grünen nicht".

Diesen Verstoß gegen jeden politischen Anstand schaffte Zeman nun vor der Presse in unverkennbarer Manier aus der Welt. Grinsend bemühte er ein Sprichwort mit der Aussage, dass Menschen erst durchs Reden zueinanderfinden würden, und gestand augenzwinkernd ein: "Meine Witze sind manchmal fehl am Platz."

Bitterböse

Dass er und Van der Bellen zueinanderfanden, diesen Eindruck hinterließ die Visite in Prag nicht wirklich. Zeman, sichtlich unwillig, Dinge ernsthaft zu erörtern, plauderte ein bisschen über Maria Theresia, übers Rauchen – und leistete sich dann noch einen bitterbösen Abstecher in die österreichische Zeitgeschichte. Wenn die Volksabstimmung über das AKW Zwentendorf einst nicht mit "Nein" ausgegangen wäre, säße heute wohl kein Grüner in der Hofburg, und über Atomenergie würde man auch nicht streiten.

Der Bundespräsident entschloss sich schließlich, die Sache ebenfalls gelassen zu nehmen, sprach über gute Wirtschafts- und miserable Verkehrsverbindungen und leistete sich ein ebenfalls ironisches Resümee über die tschechisch-österreichischen Beziehungen: "Enge Verwandte sind nicht immer die besten Freunde."