Politik | Ausland
12.12.2017

"Wir müssen aufhören, die Idioten der Nation zu sein"

Alabama wählt heute einen neuen Vertreter für den US-Senat. Der Ausgang der Wahl zwischen dem Demokraten Doug Jones und Roy Moore, einem Mann, dem pädophile Neigungen vorgeworfen werden, ist völlig offen.

Der Aufruf des demokratischen Kandidaten Doug Jones klingt fast schon verzweifelt: "Es kommt ein Punkt, da müssen wir aufhören, die Idioten der Nation zu sein", sagte er bei seiner Abschlusskundgebung. Jones tritt bei der heutigen Senatswahl in Alabama gegen den Republikaner Roy Moore an. Im Normalfall wäre es keine Wahl, die internationale Beachtung findet, und auch der Ausgang wäre klar: Wahlen in Alabama gewinnen immer die Republikaner.

9/11 als Strafe Gottes

Aber in Trumps Amerika ist alles anders. Schon die republikanischen Vorwahlen wurden im nationalen Rampenlicht ausgetragen, weil Präsident Trump den Luther Strange unterstützte, während sein Vertrauter, der ehemalige Chefstratege und (wieder) Breitbart-Chef Steve Bannon schon in den Vorwahlen Roy Moore medial befeuerte. Moores Sieg wurde als Niederlage für Trump gedeutet, woraufhin der meinte, so wirklich unterstützt habe er Strange sowieso nie - der sei auch kein echter Trumpianer gewesen.

Diese Beschreibung traf tatsächlich viel mehr auf Roy Moore zu, der für seltsame Ansichten bekannt war. Er findet, dass Homosexualität illegal sein sollte, bezeichnete die Anschläge des 11. September 2001 als göttliche Strafe und lobte Putin, während er befand, dass die USA "viele schlechte Dinge promoten". Das war noch bevor die Vorwürfe gegen ihn bekannt wurden:

Am 9. November veröffentlichte die Washington Post die Geschichte einer Frau, die sagt, dass sie Roy Moore im Jahr 1979 unsittlich berührte, als er 32 Jahre alt war – und sie 14. Zweimal habe er sie zu einem Date ausgeführt, beim zweiten hätte er sich und sie bis auf die Unterwäsche ausgezogen, habe sie berührt und ihre Hand an seine Unterhose geführt. Darauf stehen in Alabama bis zu zehn Jahre Haft.

Kurz darauf meldete sich eine zweite Frau mit einem ähnlichen Vorwurf: Sie sei 16 gewesen, als er im Auto ihren Kopf in seinen Schritt drückte. Als sie ihn abwehrte, habe er gesagt: „Ich bin Bezirksrichter und du nur ein Kind, niemand wird dir glauben.“ Es meldeten sich zahlreiche weitere Frauen, die angaben, von Moore belästigt worden zu sein, fast alle damals unter 18 Jahre alt.

"Unser Anwalt ist Jude"

Im Oktober sprach er von "Gelben" und "Roten" und meinte damit Asiaten und Native Americans, auf Antisemitismus-Vorwürfe antwortete seine Frau, dass das lächerlich sei, weil: "Einer unserer Anwälte ist Jude". Trotz all der Kritik und der schweren Vorwürfe gibt es dennoch einen Mann, der Roy Moore verteidigt: US-Präsident Donald Trump. „Er sagt, es ist niemals passiert. Man muss ihm auch zuhören“, sagte er. Am Wochenende hielt er eine Veranstaltung zwar nicht in, aber keine Autostunde von Alabama entfernt in Pensacola, Florida, und twitterte danach: