Politik | Ausland
10.09.2017

Wie Deutschland Österreichs Politiker sieht

Medien mögen markigen Stil der Österreicher, in der hohen Politik ist man skeptisch.

"Seien Sie beruhigt, das ist ein Zeichen von Freundschaft", sagt Andrä Rupprechter, bevor es knallt: Wumm! Die Menge blickt verdattert drein.

Der Auftritt von Österreichs Landwirtschaftsminister beim Bürgerfest im Schloss Bellevue, zu dem Bundespräsident Steinmeier Österreich als Gastland geladen hatte, war symptomatisch: Kommt ein Österreicher nach Berlin, geschieht das oft mit Getöse. Rupprechter hatte nur seine Tiroler Schützen im Schlepptau, andere kommen dafür bei kleinen Anlässen gern mit großer Presse-Entourage. Das sieht man mit mehr Skepsis als lautstarke Schützen – als Journalist mit Merkel & Co. auf Reisen geht, muss das selbst organisieren und zahlen.

Anderer Medien-Umgang

Ohnehin ist die Berliner Politik oft verwundert über den Stil der Österreicher. Dass via Medien gestritten, Forderungen vorab ausgerichtet werden, wird nicht gern gesehen – das bestimmt auch das Klima der jeweiligen Großen Koalition. In Berlin setzt es sogar Rüffel, wenn Österreicher vorab mit Medien plaudern; manches Treffen wurde deshalb "aus Termingründen" verschoben.

Ähnlich ist es mit der Sitte, Treffen nach dem Foto statt dem Inhalt auszurichten. Das musste der steirische Landeshauptmann Schützenhöfer feststellen, als seine Delegation Merkel für ein Handshake-Foto im Bundestag abfing. Die zeigte sich unwillig; er konnte wenigstens darüber lachen.

Harte Linien

Andererseits sind Österreichs Politiker im TV gern gesehen – vor allem jene wie ÖVP-Chef Sebastian Kurz, die eine harte Linien vertreten, aber nicht aus dem rechten Lager kommen. Warum? Vermutlich weil der markige Stil hier selten ist; auch, weil das Land ob seiner Größe eine andere diplomatische Verantwortung in der Welt hat.

In Kanzler- und Außenamt kommen diese Auftritte und dieser Stil deshalb weniger gut an. Kurz’ Politik wird da als Zick-Zack-Kurs wahrgenommen – Außenminister Gabriel machte daraus sogar öffentlich kein Hehl: "Ich rate dazu, nicht eine Welt zu malen, die nicht existiert", sagt er vor einiger Zeit zu ihm.