Westliche Geheimdienste halfen Gaddafis Regime

Die USA und Großbritannien sollen sich Gaddafis Regime zu Nutze gemacht haben.
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Britische und amerikanische Medien berichten von einer engen Zusammenarbeit des Westens mit dem libyschen Geheimdienst. Informationen über libysche Oppositionelle sollen an Gadaffis Schwergen weitergegeben worden sein.

Bevor die USA und Großbritannien militärisch gegen das libysche Regime vorgingen, unterhielten sie enge Beziehungen zum Diktator und nutzten das Land für ihre eigenen Zwecke. Das berichten namhafte Zeitungen aus eben diesen beiden Ländern: Der britische und der US-Geheimdienst haben demnach eng mit der Führung des langjährigen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zusammengearbeitet.

So habe London unter anderem Details über libysche Oppositionelle im Exil an Gaddafis Geheimdienst weitergeleitet, schreibt die britische Zeitung The Independent (Samstagsausgabe) unter Berufung auf Geheimunterlagen, die im Büro des ehemaligen libyschen Außenministers Mussa Kussa gefunden worden waren.

Kussa hatte sich im Zuge der Proteste gegen Gaddafi im März nach Großbritannien abgesetzt. Obwohl dem Ex-Geheimdienstchef Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, konnte Kussa im darauffolgenden Monat nach Katar weiterfliegen.

USA flog Verdächtige nach Libyen

Die USA und Großbritannien sollen sich Gaddafis Regime zu Nutze gemacht haben. Foto: rts Die USA und Großbritannien sollen sich Gaddafis Regime zu Nutze gemacht haben.

Der US-Geheimdienst CIA brachte einem Bericht des Wall Street Journal zufolge Terrorverdächtige in das nordafrikanische Land, um sie vom libyschen Geheimdienst befragen zu lassen. Das Land war für seine Folterpraxis berüchtigt. Der CIA wollte demnach 2004 auch eine "ständige Präsenz" in Libyen errichten. Dies gehe aus einem Brief eines hochrangigen CIA-Verantwortlichen an den damaligen Geheimdienstchef Kussa hervor. Die New York Times berichtete, dass der CIA achtmal Terrorverdächtige zum Verhör nach Libyen geschickt haben soll.

CIA als Gaddafis Ghostwriter

Der New York Times lagen außerdem Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass der CIA Gaddafi einen Text für eine Rede formulierten, in der es um Libyens Verzicht auf Massenvernichtungswaffen ging. Der Text sollte ihn wohl in einem positiven Licht erscheinen lassen, so das Blatt. Der Verzicht hatte Gaddafi eine Annäherung an den Westen ermöglicht.

Weder der CIA noch das britische Außenministerium haben sich zu den Dokumenten geäußert. Nur CIA-Sprecherin Jennifer Youngblood sagte laut New York Times: "Es kann nicht überraschend sein, dass der CIA mit ausländischen Regierungen zusammenarbeitet, um zu helfen, unser Land vor Terrorismus und anderen tödlichen Bedrohungen zu schützen."

Die Unterlagen seien nach dem Einmarsch der Aufständischen vergangene Woche in Tripolis von Mitarbeitern der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in dem ehemaligen Regierungsgebäude gefunden worden, schreibt Wall Street Journal.

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(apa, afp, KURIER.at / mn) Erstellt am
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