Wer ist Kennedys Mörder?

KENNEDY ASSASSINATION
Foto: AP

In den USA wird immer noch gerätselt, wer tatsächlich hinter dem Attentat steckt

Nicht nur die Vereinigten Staaten waren nach der Ermordung ihres populären Präsidenten in einer Ausnahmesituation: Die ganze Welt stand unter Schock, zeitweise schien sogar der Friede in Gefahr, da sich die Gerüchte häuften, dass Kennedy im Auftrag fremder Geheimdienste getötet worden sei. In den USA fragte man sich: Wie konnte das passieren? Wieso fuhr der erste Mann im Staat im offenen Wagen durch Dallas? Warum war Lee Harvey Oswald vor der Tat nicht überprüft worden? War er doch ein Mann, der das kapitalistische System der USA hasste, der Fidel Castro verehrte und kurz vor dem Attentat ein Gewehr kaufte.

Castro, CIA, KGB

RR Auction image of Vintage glossy Dallas Police D Foto: Reuters/HANDOUT Lee Harvey Oswald Mit jedem Tag, der im Herbst 1963 ins Land zog, tauchten neue Gerüchte auf. Steckten Fidel Castro und Kuba hinter dem Mord? Die amerikanische CIA oder der sowjetische KGB? Oder die Mafia, zu der Lee Harvey Oswalds Mörder Jack Ruby Kontakte hatte? Wollte Ruby mit seiner Tat verhindern, dass Oswalds Auftraggeber auffliegen?

Fragen über Fragen, die Kennedys Nachfolger Johnson veranlassten, eine Kommission ins Leben zu rufen, die den Tod des Präsidenten untersuchen sollte.

Die Kommission ging – da der Oberste Bundesrichter Earl Warren zum Vorsitzenden bestellt wurde – als Warren-Kommission in die Geschichte ein. Earl Warren war es, der am Anfang und am Ende einer Ära stand: Er hatte John F. Kennedy am 20. Jänner 1961 auf den Stufen des Kapitols in Washington als 35. Präsident der USA vereidigt. Und er war es, der jetzt die Umstände seines Todes ergründen sollte.

Der Kernsatz des 880 Seiten starken Warren-Reports lautet: „Lee Harvey Oswald ist der alleinige Täter.“ Der in zehnmonatiger Untersuchung erstellte Bericht stützt sich auf Einvernahmen von 500 Zeugen und enthält mehr als 3000 Beweisstücke.

Der Mythos Kennedy:

John F. Kennedy - ein amerikanischer Mythos. Der attraktive Sonnyboy aus Massachusetts gewann die Herzen der Wähler - vor allem der weiblichen. Er war der  jüngste, den die Amerikaner jemals gewählt hatten. Sein Erfolgsweg endete jäh am 22. November 1963 in Dallas. "Meine amerikanischen Mitbürger, fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann - fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt!" Mit diesem Zitat legte Kennedy am 20. Jänner 1961 den Amtseid als 35. Präsident der Vereinigten Staaten ab. Nicht nur seine Landsleute, die ganze Welt setzte große Erwartungen in den demokratischen Senator, der seinen republikanischen Gegner Richard Nixon nur um die Haaresbreite geschlagen hatte - vor allem wegen seines telegenen Auftretens. Dass der 70-jährige Dwight D. Eisenhower, der bis dahin älteste US-Präsident, von einem 43-Jährigen abgelöst wurde, galt vielen als Symbol der politischen Erneuerung schlechthin.
  Dass auch kleine Kinder ins Weiße Haus einzogen, verdeutlichte den Generationswechsel. Als zweites von neun Kindern des ehrgezigen Unternehmers und Diplomaten Joseph P. Kennedy und dessen Frau Rose am 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts geboren, war der kleine John Fitzgerald in sehr wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Nach der Highschool studierte "Jack" in Harvard Politikwissenschaft, während des 2. Weltkrieges war er Offizier. 1945 trat Kennedy den Demokraten bei und wurde 1946 ins US-Repräsentantenhaus gewählt, 1952 zog er in den Senat ein. 1953 heiratete Kennedy Jacqueline Lee Bouvier, "Jackie", die zur stillen Dulderin seiner sexuellen Eskapaden werden sollte. Jackie soll sogar von der Affäre mit Marilyn Monroe gewusst haben. Jacqueline entstaubte das Weiße Haus und erarbeitete sich international den Ruf der Stilikone der 60er Jahre. Auch wenn alle Welt dachte, JFK sei jung und vital, blieb verborgen, dass er bereits den Wahlkampf auf Krücken überstehen musste: Er litt bereits nach seinem Kriegsdienst an schweren Schmerzen im Rücken, 1955 musste er eine Operation an der Wirbelsäule über sich ergehen lassen, die aber kaum Besserung brachte. Er nahm viele Medikamente. Sein politisches Erbe bleibt durchwachsen: Der Reformwille war da, die Umstände schwierig. So brachte etwa Kennedy die Reformen gegen die Rassendiskriminierung auf den Weg, das Bürgerrechtsgesetz  konnte aber erst sein Nachfolger Lyndon B. Johnson unterzeichnen. Außenpolitisch bot Kennedy in Wien dem aggressiv auftretenden Chruschtschow Paroli, er leistete seinen Beitrag zur Abwendung eines dritten Weltkrieges, als er in der Kubakrise auf Verhandlungen setzte... Aber zuvor hatte er mit seiner Zustimmung zu dem desaströs gescheiterten Invasionsversuch in der Schweinebucht nicht nur dem jungen Castro-Regime in die Hände gespielt, sondern auch der Anti-US-Stimmung in Lateinamerika neuen Brennstoff gegeben. 1963 sein legendärer Besuch in Berlin: "Alle freien Menschen, wo immer sie auch leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können: "Ich bin ein Berliner!" Als Kennedys größter Sündenfall gilt der Vietnamkrieg: Obgleich es erst Johnson war, der US-Kampftruppen nach Vietnam schickte, war es Kennedy gewesen, der die CIA und Spezialeinheiten sowie tausende "Militärbeobachter" von der Leine ließ - und schließlich auch den Einsatz von Napalm genehmigte.  Ungeachtet aller Image-Kratzer bleibt John F. Kennedy bis heute der beliebteste aller ehemaligen US-Präsidenten. Am 22. November wurde JFK in Dallas erschossen, als die Präsidentenlimousine im Schritttempo vom Dealey Plaza in die Elm Street einbog. Seither ranken sich viele Verschwörungstheorien um den Mord. Dass der alleinige Schütze Lee Harvey Oswald, der wenig später selbst erschossen wurde, war, wird immer noch angezweifelt.

„Es gab keine Verschwörung“, heißt es hier, Lee Harvey Oswald hätte drei Schüsse aus dem fünften Stock eines Lagerhauses auf Kennedy abgefeuert und ihn dadurch getötet. Oswald sei auch der Mörder des Polizisten Jefferson Tippit, der ihn kurz nach dem Attentat auf den Präsidenten festnehmen wollte.

Die Warren-Kommission rekonstruierte den Tag, an dem JFK starb: Oswald habe am 22. November 1963 um acht Uhr früh seine Arbeit im Schulbuchlager begonnen und einen länglichen Papiersack mitgebracht, in dem er, wie er zu Kollegen sagte, Vorhangstangen transportierte. In Wahrheit befand sich darin die Mordwaffe, ein Repetiergewehr nach einer Konstruktion des Österreichers Ferdinand Mannlicher.

Der tödliche Treffer

„Oswald“, schließt die Untersuchungskommission, „verließ den Tatort drei Minuten nachdem er die Kugeln abgefeuert hatte: Der erste Schuss schlug fehl, der zweite verursachte eine Wunde an Kennedys Hals und die Verletzungen des vor ihm sitzenden Gouverneurs Connally, der dritte war der tödliche Treffer am Kopf des Präsidenten.“

Auch der Tod des Attentäters Oswald wurde von der Kommission untersucht. Sie gelangt zu dem Schluss, dass auch er „nicht infolge einer Verschwörung“ starb, vielmehr hätte Jack Ruby ohne jeden Auftrag gehandelt.

Skepsis in den USA

Doch viele Amerikaner wollten dem Bericht, der im September 1964 der Öffentlichkeit übergeben wurde, keinen Glauben schenken. Die Skepsis in der Bevölkerung hatte zur Folge, dass immer neue Verschwörungstheorien auftauchten. So konnte auch das Gerücht nicht aus der Welt geschafft werden, dass die Warren-Kommission Indizien, die auf mehr als einen Täter deuteten, mit Absicht nicht verfolgte. Die Kommission bestand aus sieben Personen, zu denen neben Warren der frühere CIA-Direktor Allen Dulles und der spätere US-Präsident Gerald Ford zählten.

Weitere „Erfolge“ feierten die Verschwörungstheoretiker, als ein zweiter Untersuchungsausschuss 1977 nicht mehr Licht in den „Fall Kennedy“ brachte. Und vor allem dann durch Oliver Stones 1991 gedrehten Film „JFK – Tatort Dallas“, der darlegen will, dass Oswald kein Einzeltäter war, sondern Teil eines weitverzweigten Komplotts.

Wie sollte man gegen die Gerüchte ankämpfen, wenn selbst Präsident Johnson die Schlussfolgerungen des Warren-Reports anzweifelte: Er vertrat die Meinung, dass sein Vorgänger im Auftrag von Kubas Staatschef Fidel Castro getötet wurde. Dennoch wies Johnson die Warren-Kommission an, „nur Oswalds Alleintäterschaft zu verfolgen, denn wenn gewisse Gerüchte nicht zum Verstummen kommen, könnten sie die USA in einen Krieg ziehen, der Millionen Menschenleben fordert“.

Und kurz vor seinem Tod sagte Lyndon B. Johnson zu dem Journalisten Howard K. Smith: „Kennedy versuchte, Castro zu töten, aber Castro war schneller.“

ENDE DER SERIE

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?