Politik | Ausland
01.11.2013

Wer ist Kennedys Mörder?

In den USA wird immer noch gerätselt, wer tatsächlich hinter dem Attentat steckt

Nicht nur die Vereinigten Staaten waren nach der Ermordung ihres populären Präsidenten in einer Ausnahmesituation: Die ganze Welt stand unter Schock, zeitweise schien sogar der Friede in Gefahr, da sich die Gerüchte häuften, dass Kennedy im Auftrag fremder Geheimdienste getötet worden sei. In den USA fragte man sich: Wie konnte das passieren? Wieso fuhr der erste Mann im Staat im offenen Wagen durch Dallas? Warum war Lee Harvey Oswald vor der Tat nicht überprüft worden? War er doch ein Mann, der das kapitalistische System der USA hasste, der Fidel Castro verehrte und kurz vor dem Attentat ein Gewehr kaufte.

Castro, CIA, KGB

Vintage glossy Dallas Police Department mug shot photo of Lee Harvey Oswald is shown in this RR Auction image released to Reuter… © Bild: Reuters/HANDOUT
Mit jedem Tag, der im Herbst 1963 ins Land zog, tauchten neue Gerüchte auf. Steckten Fidel Castro und Kuba hinter dem Mord? Die amerikanische CIA oder der sowjetische KGB? Oder die Mafia, zu der Lee Harvey Oswalds Mörder Jack Ruby Kontakte hatte? Wollte Ruby mit seiner Tat verhindern, dass Oswalds Auftraggeber auffliegen?

Fragen über Fragen, die Kennedys Nachfolger Johnson veranlassten, eine Kommission ins Leben zu rufen, die den Tod des Präsidenten untersuchen sollte.

Die Kommission ging – da der Oberste Bundesrichter Earl Warren zum Vorsitzenden bestellt wurde – als Warren-Kommission in die Geschichte ein. Earl Warren war es, der am Anfang und am Ende einer Ära stand: Er hatte John F. Kennedy am 20. Jänner 1961 auf den Stufen des Kapitols in Washington als 35. Präsident der USA vereidigt. Und er war es, der jetzt die Umstände seines Todes ergründen sollte.

Der Kernsatz des 880 Seiten starken Warren-Reports lautet: „Lee Harvey Oswald ist der alleinige Täter.“ Der in zehnmonatiger Untersuchung erstellte Bericht stützt sich auf Einvernahmen von 500 Zeugen und enthält mehr als 3000 Beweisstücke.

Der Mythos Kennedy:

JFK - ein ewiger Mythos

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John F. Kennedy

John F. Kennedy

Richard Nixon; John F. Kennedy; Howard K. Smith

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Handout photo of then U.S. President Kennedy with

Education specialist Esther Kohn gestures towards

Lt. John F. Kennedy, skipper of PT boat 109, is sh…

KENNEDY

Jacqueline Kennedy

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John F. Kennedy

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JFK Exhibit

USA JOHN F KENNEDY 45TH ANNIVERSARY OF ASSASSINATI

FILE - In this Nov. 22, 1963 file photo, people li…

RR Auction image of Vintage glossy Dallas Police D

„Es gab keine Verschwörung“, heißt es hier, Lee Harvey Oswald hätte drei Schüsse aus dem fünften Stock eines Lagerhauses auf Kennedy abgefeuert und ihn dadurch getötet. Oswald sei auch der Mörder des Polizisten Jefferson Tippit, der ihn kurz nach dem Attentat auf den Präsidenten festnehmen wollte.

Die Warren-Kommission rekonstruierte den Tag, an dem JFK starb: Oswald habe am 22. November 1963 um acht Uhr früh seine Arbeit im Schulbuchlager begonnen und einen länglichen Papiersack mitgebracht, in dem er, wie er zu Kollegen sagte, Vorhangstangen transportierte. In Wahrheit befand sich darin die Mordwaffe, ein Repetiergewehr nach einer Konstruktion des Österreichers Ferdinand Mannlicher.

Der tödliche Treffer

Oswald“, schließt die Untersuchungskommission, „verließ den Tatort drei Minuten nachdem er die Kugeln abgefeuert hatte: Der erste Schuss schlug fehl, der zweite verursachte eine Wunde an Kennedys Hals und die Verletzungen des vor ihm sitzenden Gouverneurs Connally, der dritte war der tödliche Treffer am Kopf des Präsidenten.“

Auch der Tod des Attentäters Oswald wurde von der Kommission untersucht. Sie gelangt zu dem Schluss, dass auch er „nicht infolge einer Verschwörung“ starb, vielmehr hätte Jack Ruby ohne jeden Auftrag gehandelt.

Skepsis in den USA

Doch viele Amerikaner wollten dem Bericht, der im September 1964 der Öffentlichkeit übergeben wurde, keinen Glauben schenken. Die Skepsis in der Bevölkerung hatte zur Folge, dass immer neue Verschwörungstheorien auftauchten. So konnte auch das Gerücht nicht aus der Welt geschafft werden, dass die Warren-Kommission Indizien, die auf mehr als einen Täter deuteten, mit Absicht nicht verfolgte. Die Kommission bestand aus sieben Personen, zu denen neben Warren der frühere CIA-Direktor Allen Dulles und der spätere US-Präsident Gerald Ford zählten.

Weitere „Erfolge“ feierten die Verschwörungstheoretiker, als ein zweiter Untersuchungsausschuss 1977 nicht mehr Licht in den „Fall Kennedy“ brachte. Und vor allem dann durch Oliver Stones 1991 gedrehten Film „JFK – Tatort Dallas“, der darlegen will, dass Oswald kein Einzeltäter war, sondern Teil eines weitverzweigten Komplotts.

Wie sollte man gegen die Gerüchte ankämpfen, wenn selbst Präsident Johnson die Schlussfolgerungen des Warren-Reports anzweifelte: Er vertrat die Meinung, dass sein Vorgänger im Auftrag von Kubas Staatschef Fidel Castro getötet wurde. Dennoch wies Johnson die Warren-Kommission an, „nur Oswalds Alleintäterschaft zu verfolgen, denn wenn gewisse Gerüchte nicht zum Verstummen kommen, könnten sie die USA in einen Krieg ziehen, der Millionen Menschenleben fordert“.

Und kurz vor seinem Tod sagte Lyndon B. Johnson zu dem Journalisten Howard K. Smith: „Kennedy versuchte, Castro zu töten, aber Castro war schneller.“

ENDE DER SERIE