Politik | Ausland
30.12.2015

Weiter tausende Jesiden in der Hand des IS

Eine ehemalige Gefangene erzählt von Gräueltaten und richtet einen Appell an die EU.

Die Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) hat im Irak und in Syrien nach Angaben einer Aktivistin weiterhin tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden als Geiseln in ihrer Gewalt. "Im Moment befinden sich 3.400 Menschen, Syrer oder Iraker, in Gefangenschaft", sagte die Jesidin Nadia Murad Basee Taha am Mittwoch in Athen.

Die 21-Jährige, die selbst drei Monate Gefangene des IS war und in dieser Zeit vergewaltigt wurde, traf in der griechischen Hauptstadt mit Präsident Prokopis Pavlopoulos zusammen. Mitte Dezember hatte sie in einer Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat die Verbrechen geschildert, die IS-Extremisten an den Jesiden verüben.

Appell an die EU

"Ich rufe Sie auf, meine Stimme der Europäischen Union zu übermitteln, denn tausende Frauen und kleine Kinder werden weiterhin als Geiseln festgehalten", sagte Taha in Athen. Die junge Jesidin war im August 2014 von IS-Extremisten aus ihrem Heimatdorf verschleppt worden. Nach drei Monaten war es ihr gelungen, zu fliehen und nach Deutschland zu gelangen.

Der IS hatte im Sommer 2014 weite Regionen Syriens und des Irak erobert. Im Nordirak flohen Zehntausende Jesiden vor den vorrückenden IS-Milizen in die karge Bergregion rings um Sinjar, wo sie weder Wasser noch Essen hatten. Tausende Männer wurden getötet, Frauen und Kinder entführt und versklavt.

Verdacht auf Völkermord

Die Angehörigen der kurdisch-sprachigen religiösen Minderheit werden von den Dschihadisten als Teufelsanbeter verfolgt. Die UNO schließt nicht aus, dass die IS-Verbrechen an den Jesiden als Völkermord eingestuft werden könnten.