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Medienradar
07/20/2015

Was würde ein Abgang Schäubles für Merkel bedeuten?

Wie kommentieren deutsche Medien den Zwist in der Koalition? Der KURIER-Medienradar gibt einen Überblick.

Man könne einen Politiker nicht zwingen gegen seine Überzeugung zu handeln. "Wenn das jemand versuchen würde, könnte ich zum Bundespräsidenten gehen und um meine Entlassung bitten."

Handfeste Rücktrittsdrohung, wie der Spiegel diese Äußerung Wolfgang Schäubles deutete, oder "Kokettieren mit angeblichen Rücktrittsabsichten", wie SPD-Vize-Parteichef Ralf Stegner am Montag monierte: Die abermalige Beteuerung des deutschen Finanzministers vom Wochenende, sich in der Griechenland-Frage nicht von seinem Kurs und der Option eines "Grexit auf Zeit" abbringen zu lassen, gibt Anlass zu neuen Spekulationen.

Wie lange hält die Beziehung zwischen der Kanzlerin und ihrem Finanzminister noch? Was würde ein Rückzug Schäubles für diese bedeuten? Und welche Konsequenzen hätte das für Griechenland und die EU?

Der KURIER-Medienradar zeigt, wie die Äußerung Schäubles in der deutschen Medienlandschaft kommentiert wurde:

Süddeutsche.de: "Ein Abgang Schäubles würde Merkels Kanzlerschaft erschüttern", kommentiert Robert Roßmann in der Süddeutschen Zeitung. Mit Schäuble sei Merkel eine Art Nebenkanzler erwachsen. "Mit seinem harten Kurs in den Griechenland-Gesprächen hat sich der Finanzminister in die Herzen seiner Parteifreunde verhandelt. Wenn die Unionsfraktion frei abstimmen dürfte, wem sie in der Griechenland-Politik mehr vertraut, bekäme Schäuble den Vorzug vor Merkel." Das erkläre auch, weshalb Merkel ihren Finanzminister wegen seiner ständigen Grexit-auf-Zeit-Alleingänge nicht öffentlich zur Ordnung ruft. Die Kanzlerin würde einen Aufstand in ihrer Partei provozieren.

Spiegel Online: Die Kosten einer Entlassung Schäubles wären wohl zu hoch, meint Florian Gathmann auf Spiegel Online. Sein Zuspruch innerhalb der Partei ist zu hoch, als dass die Kanzlerin auf ihn verzichten könne. Die Bevölkerung würde ihm aufgrund seiner Beliebtheit sogar Tricks innerhalb der "Grexit-auf-Zeit"-Debatte nachsehen.

Welt.de: "Finanzminister Schäuble ist im Griechen-Debakel unser bester Mann", ist sich Dorothea Siems in der Welt sicher. "Gegen seinen Willen wird niemals ein Land aus dem Euro ausgeschlossen werden, ganz gleich, welche Regelverstöße sich eine Regierung leistet."

Taz.de: "Schäuble sollte gehen. Das ist die billigste Lösung - auch für ihn. Ulrike Hermann hält den deutschen Finanzminister mit seiner "Grexit-Ideologie" für nicht mehr tragbar. Er schade sich selbst, wenn er nicht bald abtrete, weil er sonst als "ökonomisch ahnungsloser Finanzminister in die Geschichte eingehe, der die Eurozone gesprengt hat".

"Ich kann ohne dich, du nicht ohne mich."

Tagesspiegel.de: "Grexit, Koalitionskrach, Rücktritt: Schäuble nimmt viel in Kauf", schreibt Stephan-Andreas Casdorff. Dass er das Wort Rücktritt überhaupt in den Mund nehme, sei keine koketterie, sondern ein "Kalkül nach Schäuble-Art". Es sei auch eine Warnung an Merkel. "Einfach gefasst lautet sie: Ich kann ohne dich, du nicht ohne mich. Übersetzt in praktische Politik: Stellte sich Schäuble, dem die Mehrheit der Deutschen gegenwärtig noch mehr als Merkel vertraut, gegen die Kanzlerin, dann verlöre sie." Merkel werde aber nicht riskieren, dass sie verliert. "Also wird sie auf Schäuble hören, auf ihn achten, seine Meinung achten."

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